Fliegen

Alltagsfliege – Ein Tag als Flight Attendant

16. Juli 2016
Alltagsfliege - 24h als Flight Attendant

Ein Stapel Dokumente auf der Ablagefläche, Freitag ist noch in weiter Ferne und Kaffee kocht auch keiner. So mancher kennt die kleinen Ärgernisse des Büroalltages. Doch das war einmal. Als hauptberufliche Vielfliegerin befindet sich mein Büro seit schon bald einem Jahr auf 12’ooo Metern Höhe. Erste Anzeichen vom Alltagstrott? Fehlanzeige. Wie sieht denn so ein Tag als Flight Attendant eigentlich aus? Begleite mich heute auf einen Flug nach London.

03.45 Uhr Snooze – eine tolle Erfindung!

Da gibt es so ein Knöpfchen – Schlummerfunktion – genau. Fleissig wird also alle 4 Minuten auf den Knopf gedrückt und gönne mir noch ein paar weitere Extraminuten, bis ich dann definitiv aus den Federn muss. Das muss nicht zwingend früh morgens sein. Je nach Abflugzeit ist meine persönliche «Aufstehzeit»  einmal kurz vor Mitternacht, ein anderes Mal halb drei Nachmittags. Vergesse ich danach, den Alarm auf «OFF» zus stellen, kommt es des öfteren vor, dass dieser aufgrund von Zeitverschiebungen an den unmöglichsten Orten der Welt losgeht.

04.05 Uhr Vom Morgenmuffel in den Stewardessen-Glamour-Look

Da ich als «Abendtyp» erst bei Dämmerung richtig aufdrehe, fällt mir das Frühaufstehen nach wie vor nicht leicht. Zum Glück habe ich mittlerweile eine roboterartige Routine entwickelt, die sich selbst im Halbschlaf noch tip top ausführen lässt. Das zerzauste Haar kurzerhand in einen Dutt verpacken, Make-up auftragen und die letzten paar Kleinigkeiten in den Koffer packen. Das Bügeln der Uniform und das Lackieren der Nägel erledige ich meist schon am Vorabend. Die Frage, was ich denn anziehen soll erübrigt sich von selbst. Das Standard-Outfit hängt in vierfacher Ausführung in meinem Schrank: Strümpfe, knielanger Rock, Bluse, Jacket sowie den für die Airline typischen roten Hut mit einem weissen Seidenschleier.

05.00 Uhr Ab zur Arbeit – mit dem hauseigenen Shuttlebus

Über 25’000 Flugbegleiter zählt unsere Airline. Wir alle leben quer zerstreut in der Millionenstadt Dubai. Uns wird Wohnung und der Transport zur Hauptzentrale der Airline kostenlos zur Verfügung gestellt. Von meinem Wohnort brauche ich dahin je nach Verkehrslage zwischen 25 – 45 Minuten.

05.55 Uhr E-Gate ist offen – jetzt wird für Duty eingecheckt

Uns Flight Attendants wird man am Flughafen in Dubai nie antreffen. Wir haben nämlich unser eigenes Check-in, welches sich im selben Gebäude der Hauptzentrale, dem sog. Headquarters befindet. Alles passiert hier elektronisch. Das schafft zwar Zeit, kann aber auch tückisch sein. Das E-Gate öffnet jeweils 2 Stunden vor geplanter Abflugszeit und schliesst nach genau 20 Minuten. Wer bloss eine Sekunde zu spät kommt hat seinen Flug schon verpasst – das E-Gate kennt nichts und lässt einen nicht mehr durch.

06.10 Uhr Zeit für das Briefing

Was für andere das Montagsmeeting ist, ist für uns Vielflieger das Briefing. Hier trifft man das erste Mal auf seine Arbeitskollegen in spe. Und das heisst auf jedem Flug zwischen 17 bis 28 neue Gesichter! Die Crew wird nämlich für jeden Flug neu zusammengewürfelt.

Nachdem relevante Dokumente wie z.B Passport oder Medizinattest auf deren Vollständig- und Gültigkeit geprüft wurden und ein Image- und Uniform Check stattgefunden hat, findet der Safetalk statt. Dabei wird jedem Crewmitglied jeweils eine Frage aus einem Katalog mit insgesamt 140 Fragen gestellt. Dies kann zu den Themen Flugzeugtyp, Sicherheit oder Medizinmassnahmen sein. Bei dreimaligem Falschantworten wird man vom Flug dispensiert, was meistens weitere Folgen mit sich trägt. Danach folgen Information des Pursers und der Seniors über den Flugverlauf, Passagierprofile sowie Updates aus der Airline. Erst ganz am Schluss stossen Captain und First Officer dazu und stellen sich ihrerseits vor. Mit einem Bus wird die ganze Crew dann direkt zum Flugzeug gebracht.

6.50 Uhr Letzte Kabinenvorbereitungen und Sicherheitschecks

Nun bleiben noch rund zwanzig Minuten, bis die ersten Passagiere an Bord kommen. Jedes Crewmitglied hat seine eigene Arbeitsposition welche – bis auf ein paar Ausnahmen – direkt einer Kabinentür zugewiesen ist. Zeit für einen Kaffeekränzchen? Definitiv nicht. Jetzt wird der Flieger erstmal gründlich in jeder Ecke auf auffällige und misstrauische Gegenstände überprüft. Dabei wird in jede Sitztasche gegriffen, jede Schranktüre geöffnet und noch so jede kleinste Ecke in der Toilette abgesucht. Sicherheit steht an oberster Stelle! Sind die Check’s ok, werden zum Schluss noch Decken und Kopfhörersets auf jedem Sitz platziert. Nun sind wir bereit für Boarding.

7.10 Uhr Boarding!

Nun heisst es organisieren, koordinieren und ganz wichtig: Auch in hektischen Situationen kühlen Kopf bewahren und beim besten Willen das Lächeln nicht verlieren. Schliesslich zählt der erste Eindruck. Und man möchte dem Passagier doch nicht anmerken lassen, dass man heute eigentlich gerne noch ein Weilchen länger geschlafen hätte und der Magen knurrt.

7.53 Uhr Geschafft, ein fast pünktlicher Abflug

–Flugzeit: 7 Stunden und 20 Minuten–

12.44 Uhr Nun verlassen auch wir den Flieger

Auch die letzten Passagieren haben mittlerweile das Flugzeug verlassen. Der Zustand des Flugzeuges; ein Saustall. Die Sitze und Gepäckfächer werden nun von uns auf mögliche Hinterbliebenschaften der Fluggäste überprüft. Während die Kollegen von der Business- und Firstclass oft schon ready zum Gehen sind, sind wir von der Economy meistens noch damit beschäftigt, restliche Decken und Kopfhörer einzusammeln.

13.30 Uhr Endlich im Bus Richtung Hotel

Bekommt man den Beamten in Dubai nie zu Gesicht, bleibt man auch als Crew in allen anderen Flughäfen dieser Welt dem Immigrationsprozedere nicht verschont. Wie für jeden anderen geht’s für uns durch die Sicherheitskontrolle, Einwanderungsbehörde und zum Schluss zum Gepäckband. Einziger Vorteil; für Airline Crews gibt es meistens eine Art Schnelldurchlauflinie sowie werden unsere Koffer immer als erstes auf’s Gepäckband befördert. Ein Bus bringt uns jetzt ins Hotel in London Heathrow.

14.05 Uhr Freizeit!

Im Hotel eingecheckt habe ich nun fast 24h bis zum Wake-up Call. Raus aus der Uniform und rein ins Touristenvergnügen! Zeit, die Umgebung zu erkunden, lokales Essen zu probieren oder sich mit alten Freunden zu treffen.

 

Alltag? Von wegen.

London ist London. Und auch wenn London noch das selbe London beim nächsten Mal sein wird und ich für EK001 wieder in aller Herrgottsfrüh aufstehen muss – der Flug wird definitiv nicht der Selbe sein. Denn neue Arbeitskollegen sowie 410 unbekannte Fluggäste warten auf mich. Ein neuer Tag. Eine neue Geschichte.

Von Alltag kann in meinem Job nicht die Rede sein. Ein Stapel Dokumente finde ich höchstens noch bei mir zu Hause auf dem Schreibtisch. Es spielt keine Rolle, ob Freitag oder Montag. Entweder Flugtag oder ein Tag auf festem Boden. Nur ein Schicksal teile ich nach wie vor mit meinen Kollegen aus dem Büro; Kaffe kocht auch keiner.

Ein Tag als Flight Attendant - Emirates

«Choose a job you love and you never have to work a day in your life» Konfuzius

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Halte Ausschau nach Open Days in deiner Nähe und vielleicht treffen wir uns schon bald in Dubai.

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