Fliegen Kabinentalk

Dem Passagier sein Klo

16. Januar 2017

Fliegen bedeutet heutzutage mehr als nur von A nach B zu kommen. Fliegen ist Entertainment; im Fachjargon als «Inflight Experience» betitel. Die eigentliche Endstation fällt dabei erstmals in den Hintergrund. Der Weg ist das Ziel. «Sit back and relax», heisst es. Fühl dich ganz «wie zu Hause.»

 Dazu entledigt sich der Fluggast nach dem Boarding erstmals seines Schuhwerkes und schliesst die zahlreich mitgebrachten elektronischen Gadgets am Stromnetz an. Der bewanderte Vielflieger ist nebst dem eigenen Bettduvet auch im Besitzt einer Panda-Augenmaske sowie Schalldämpfer in Form eines Kopfhörers.

 

Wenn die Blase sich meldet

Dazu muss man sagen, dass die neuen  Flugzeuge in der Tat ein wahres Platzwunder sind. Was früher einmal als Blechdose über dem Horizont daher flog, ist heute eine Luxuslimousine à la Star Wars. Die unglücklichen Zeiten, in denen man in zusammengefalteten Körperhaltung sich vor einem drohenden klaustrophobischen Anfall fürchtete, sind vorbei. Doch mit der neu gewonnenen Freiheit eröffnen sich dem Passagier ganz neue Möglichkeiten.

Man wird zum Abenteurer. Der Entdeckergeist wird geweckt. Und mit dem  «Diing» des ausgeschalteten Anschnallzeichens im Flug geht sie dann auch los:

Die Völkerwanderung.

Ernsthaft: Der Gang zur Toilette steht bei unseren Passagieren ganz oben auf der «Inflight Experience.» So oft wie möglich. So lange wie möglich. Und immer mit dem schlechtesten Timing.

 

So ein Pipi-Fax aber auch.

Der Fluggast scheint sich zu denken: «Ist die Kabine schon so komfortabel, wie komfortabel sind dann erst die Toiletten? Das muss man doch mal direkt überprüfen.» Und überhaupt – wie kann man als Gast besser ausdrücken, dass man sich absolut wohlfühlt? Ist doch im richtigen Leben auch so: Fühlt man sich an einem fremden Ort heimisch, geht man dort auch (gerne) zur Toilette. Die Toilette als Gradmesser der Gastzufriedenheit sozusagen. Der Toilettenbesuch des Gastes als Kompliment für jeden Gastgeber. Eine intime Geste, ein Vertrauensbeweis, der sagen möchte: «Ich mache hier gerne Pipi, weil’s so nett und sauber ist.»

Doof nur, dass die Toiletten in den Flugzeugen strategisch immer ungünstig platziert sind. In der Nähe der Galley oder am Ende der Kabine.  Da wird der Versuch, den Service bei einem vollbesetzten Flieger unter den vielen Toilettenbesuchern durchzuführen zu einem wahren Spiessrutenlauf.

 

Stau auf dem Airbus A380  Richtung Galley

In Reihe 12 am Getränketrolley stehend, tippt es mich von hinten an die Schulter, noch vom Toilettenduft umweht: «Ich müsste zurück in Reihe 32. Aber machen Sie sich keinen Stress. Ich warte.» Genau hinter mir, präzise gesagt. Gehe ich nämlich einen Schritt vor in die nächste Reihe, wird hinter mir ebenfalls aufgerückt. Ganz nah, den Atem im Nacken. Aber: Bloss kein Stress. Er hab’s nicht eilig.

Ich jetzt aber doch. Hatte ich vorher noch fest beschlossen, «auszuharren» und den schweren Wagen nicht durch den halben Flieger zu schieben, mache ich Platz. Während die nächsten Toilettenbenutzer die Gunst der Stunde nutzen und aufbrechen.

Gegen Ende des Services staut sich die Schlange dann meist bis in die Mitte der Kabine. 5 Minuten verstreichen. 10 Minuten verstreichen. Ja, Fluggäste lassen sich Zeit. Nebst dem heimeligen Gefühl fallen mir da nur folgende zwei Gründe ein, warum unsere Bordtoiletten so beliebt sind: Entweder um das Verdauungssystem im Trakt zu halten oder um einen Grund zu haben, sich die Beine zu vertreten.

 

Die Bord – Toilette der Zukunft

Vielleicht sollten die Fluggesellschaften in Zukunft ein vermehrtes Augenmerk auf komfortablere Toiletten legen. Wer braucht den schon ein teures Unterhaltungsprogramm oder eine bequeme Rückenlehne wenn man in luxuriöse Bordtoiletten investieren könnte? Es gibt doch da schon diese geräuschdämpfende Abflusssysteme oder wie wär’s mit einer eingebauten Sitzheizung?

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2 Comments

  • Reply Wicki Bruno 19. Januar 2017 at 7:07

    Jenny mach doch ein Verbesserungsantrag und du wirst staunen ….:))

    • Reply jennyr 19. Januar 2017 at 17:35

      hmm meinst du Bruno?;) Spreche das Thema bei der nächsten „Mitarbeiterversammlung“ einmal an;)

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