Fliegen Flight Attendant

Dubai ruft! 130 Tage bis zum Boarding

27. August 2015

Die Aufgabenverteilung ist eigentlich recht simpel: Die Airline organisiert Visa, Flug und ein Dach über dem Kopf und ich habe mich um alles zu kümmern, was es zu Hause zu erledigen gibt. Und das innerhalb von 130 Tagen bis zum Abflug nach Dubai. Folgend ein kleines Résumé dieser Zeit.

Top, die Wette gilt…

… dass ich es nicht schaffen werde, mit dem Kofferpacken eine Woche vorher zu beginnen. Gut, ich gebe zu, das habe ich echt nicht gebacken gekriegt. Zu meiner Verteidigung: Ich bin eine Frau und 80% meines Kofferinhaltes besteht aus Kleidern und Schuhen, welche ich A täglich benütze und B für solch eine Reise sorgfältig geplant und auswählt werden müssen (Jede Leserin wird mir hier zustimmen). Das Packen gestaltete sich in meinem Fall so oder so etwas schwierig. Schliesslich braucht es die Winterstiefel für die kalten Monate in Oslo genauso wie das Sommerkleid auf den Malediven oder die Stirnlampe für die Nachtwanderung auf den Machu Picchu.  Und das verteilt auf zwei Koffern mit einem maximal Gewicht von 50 Kilogramm.

Preparation, Dubai

Von Bürokratie und dem schrumpfenden Portmonnaie

Im letzten Jahr suchten rund 747’000 Schweizer ihr Glück im Ausland. Die Gründe für einen Aufenthalt auf Zeit oder auf Dauer fernab der Heimat sind vielfältig. Von der Arbeitstätigkeit, über die Liebe bis hin zum Lebensabend in der Ferne kann alles dazu verleiten. Dass ich nun schon bald selbst zu dieser Statistik beitrage, lässt mich jetzt noch kurz vor der Abreise kurz inne halten. So eine kleine Mini-Auswanderung bringt auch reichlich Aufgaben und administrative Hürden mit sich. Madame Ich-wandere-mal-nach-Dubai-aus, welche vor kurzem noch nie ein Gemeindehaus von innen gesehen hatte, war daher umso mehr überrascht, wie einfach man sich grundsätzlich vom Land abmelden kann. Die anfallenden Kosten für Übersetzungen und notarielle Beglaubigungen liessen diese Faszniation aber auch schnell wieder erblassen.

 

Dress-Code: Business

Das man nicht mit Trainerhosen oder knappen Shorts zur Arbeit geht, ist mir klar. Trotzdem hielt ich es bei meinem Styling bisher eher léger und blieb beim Thema Make-up dem Motto «weniger ist mehr» treu. Da es durch meinem neuen Job jedoch einige Kleiderregeln zu befolgen gilt, stand ich nun also als absolute Deux-Pièces-Jungfer verloren zwischen den Regalen unzähliger Bekleidungsketten. Ständig auf der Suche nach knielangen Röcken, knitterfreien Blusen und der richtigen Den-Stärke bei Feinstrumpfhosen. Gottlob hat meine Tante und Frau von Welt der 90er-Jahre mein Styling Dilemma schnell erkannt und mit ihren wertvollen Tipps durch jahrelange Berufserfahrung im Modebereich erheblich dazu beigetragen, mich langsam mit dieser neuen Welt anzufreunden.

 

Und täglich grüsst der Arzttermin

«Cabin Crew is a demanding Job», meinte Mira am Assessment damals. Man muss zwar nicht gerade einen Marathon laufen können, trotzdem spielt Fitness und der gesundheitliche Zustand einer Flugbegleiterin eine erhebliche Rolle. So blieb auch ich nicht vor dem Besuch beim Arzt verschont. Nach all diesen vielen Impfungen, die mir veabreicht wurden bin ich nun quasi ein lebendes Bakterium auf Reisen. Stets mit der Hoffnung, das nie was Ernsthaftes ausbricht. Ansonsten kerngesund, stellte sich bei mir einen leicht erhöhten Blutdruck heraus. So folgte auf einen Besuch etliche weitere. Das Thema ist jetzt aber abgehackt und hindert mich nicht an meiner Reise nach Dubai.

 

Prepare for Take Off

Acht Wochen Vollzeitausbildung stehen mir nach meiner Ankunt in Dubai bevor. Um sich mit der neuen Materie bereits vertraut zu machen, erhält jeder Neuankömmling zur Vorbereitung ein Dossier mit Infos und Arbeitsaufträgen. Seither lerne ich fleissig Flughafenabkürzungen auswendig, fülle Fragebögen zu meinem Lerntyp aus (mit Fragen wie: Wenn Sie versuchen sich an eine Person zu erinnern, erinnern Sie sich dann an A: deren Gesicht aber nicht den Namen oder B: Deren Namen aber nicht an das Gesicht?!) und setze mich mit der Aviation Terminolgy oder anders ausgedrückt – mit der Fliegersprache- auseinander. Zu der Frage eines Bekannten: Nein, ich bin noch nicht soweit, dass ich auf der Rutsche des Dorfspielplatzes das Evakuieren übe und ich musste im Schwimmbad auch noch keine gelbe Weste aufblasen.

Preparation, Dubai, Workbook

Eine viel gefragte Frau

Unglaublich, wie gross die Resonanz auf meinen neuen Job in der Ferne ist. Stewardess und das Leben über den Wolken scheint nach wie vor bei den Menschen eine gewisse Faszination und Interesse auszulösen. Durch mein neues Abenteuer geriet ich automatisch in den verschiedensten Alltagssituation ins Gespräch mit Menschen. Sei es mit der Apothekerin beim Kauf der richtigen Sonnencreme für die Killerstrahlen in Dubai oder beim Kauf einer neuen Brille im Fielmann. Leider ist ein Wegzug auch immer mit Abschied verbunden. Abschied von den Liebsten, den ehemaligen Arbeitskollegen und dem gewohnten Umfeld. Die vielen tollen Abenden bei Freunden zu Hause, welche mich zum geselligen Aperitif oder zum Znacht einluden, hinterlassen schöne Erinnerungen und nicht zuletzt auch ein kleines Wohlfühlbäuchlein. (Die Ausrede, dass man jetzt noch einmal geniessen muss, da es in Dubai ja nicht mehr so ein feines Raclette oder Schoggi gibt, zog immer…). Natürlich reagierten einige auch skeptisch, besonders im Bezug auf das Leben und die Kultur in Dubai. Ich teile aber nach wie vor die Meinung von Elizabeth Gilbert, welche einmal geschrieben hat: «Wer mutig genug ist, alles Vertraute und Wohltuende hinter sich zu lassen, egal was, vom Haus bis zu alten Verletzungen und sich auf die Suche der Wahrheit macht, seis nach Innen gewand oder Aussen. Und wer wahrhaft gewillt ist, alles was ihm auf der Reise passiert als Schlüssel zu betrachten und jeden der ihm unterwegs begegnet als Lehrer zu akzeptieren, und vor allem der dazu bereit ist sich unangenehmen Realitäten, die einen selbst betreffen, zu stellen und diese zu verzeihen, dem wird sich die Wahrheit offenbaren.»

 

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