Afrika Zanzibar

Hakuna Matata – alles in bester Ordnung auf Zanzibar

27. September 2016
Hakuna Matata - alles in bester Ordnung

Da sitze ich also Schulter an Schulter mit den Einheimischen wie die Hühner auf der Stange. Alle paar Minuten wird gestoppt, um noch ein paar mehr Menschen, Eisenstangen oder Früchtekörbe aufzuladen. Nun stellt sich vielleicht die Frage, wieviele in so einen Kleintransporter  mit ca. 12 Sitzplätzen passen. Nach meiner Erfahrung sind es an die 30, es kann aber sein dass ich die 3 Personen auf dem Dach oder hinten auf der Stosstange übersehen habe.

Alles Dalli Dalli

Ich bin einmal mehr auf einem Solo-Trip und gerade unterwegs in einem Dalla Dalla in das 1.5 stündige entfernte Stonetown. Das Dalla Dalla ist das lokale Transportmittel und nicht nur unglaublich erschwinglich sondern auch unglaublich eng. Meine heutige Mission besteht einzig und allein darin, Bargeld aufzutreiben. Denn ausser ein paar Omanische Rials vom Salalah Trip und zwei zerknüllten Einkaufsbelege von Carrefour gibt mein Geldbeutel nicht viel her.

Hakuna Matata - alles in bester Ordnung

Auf dem Weg nach Stonetown

Gut, ich hätte mich auch vorher informieren können. Dass auf Zanzibar alles bar bezahlt wird und sich auf der ganzen Insel nur drei Geldautomaten befinden. Oder etwa, dass bei der Einreise ausschliesslich 50 US-Dollar für’s Visa akzeptiert werden. Die hatte ich zu diesem Zeitpunkt auch nicht grad so «auf die Schnelle» zur Hand.

Allerdings – wenn ich einmal genau überlege – ist diese Reise bis anhin so oder so genau so verlaufen, wie sie geplant war;  nämlich gar nicht. Zanzibar war eine Entscheidung aus dem Bauch heraus. Quasi das Folgen des Rufes nach Sonne, Meer und Strand. Ausserdem wollte ich Kitesurfen gehen. War doch in Dubai gerade totale Flaute was Wind anbelangt.

Den Flug buchte ich auf gut schweizerdeutsch «husch husch» rund 6 Stunden vor Abflug. Es ist schon ein wenig bedenklich,  wie sich meine  Einstellung zum Fliegen verändert hat, seitdem eine Flugzeugkabine so gut wie ein zweites Wohnzimmer für mich ist. Nicht nur, dass ich jede Ecke in der Kabine auswendig kenne; sind es doch vor allem die stark vergünstigten Tickets, die das viele Reisen überhaupt möglich machen. Glaubt mir, ein Flug von Dubai nach Neuseeland ist ein wahres Schnäppchen im Vergleich zur SBB Strecke Luzern-Lausanne retour.

Spontanität vor Zeitersparnis

Gewiss haben diese Spontan-Reisen auch ihre Schattenseiten. Unerwartete Kosten können entstehen und meist ist alles viel zeitintensiver. Dafür könnte der Abendteuerfaktor zweifellos nicht höher sein.

Zum Beispiel hatte ich aus Versehen mein Flugticket nur bis nach Dar es Salaam anstatt nach Zanzibar gebucht. (Memo an mich selbst: Buche kein Flugticket unter Stress, schlechter Internetverbindung, Alkoholeinfluss oder sonstigen Einflüssen, die deine Reiseroute durch voreiliges Handeln verlängern könnte.)

Klar, die eine Nacht im stickigen Motel in der Nähe des Flughafens wäre wirklich nicht nötig gewesen. Dafür flog ich am nächsten Morgen mit einer alten Cessna 210 auf die weisse Insel und war nebst dem Kapitän die einzige Person an Bord! Mein Fliegerherz hätte in diesem Moment nicht höher schlagen können!

 

Zanzibar - Hakuna Matata - alles in bester Ordnung

Captain, ich bin ready for take-off. Wie sieht’s bei dir aus?

«Alles was du brauchst ist Vitamin Wasta», meinte ein Freund neulich. Wasta ist arabisch und bedeutet soviel wie gute Verbindungen haben. Ich persönlich stehe solchen Vitaminen eher skeptisch gegenüber. Trotzdem kann eine offene Haltung gegenüber neuen Begegnungen einem durchaus interessante Möglichkeiten eröffnen.

Hätte ich doch im Leben nie erwartet, dass ich meine ersten beiden Nächte auf Zanzibar in dem wohl teuersten Resort der Insel verbringen würde! Und das ganz umsonst! Und das bloss dank dem, ich nenne es mal «Galleytalk» während des Fluges nach Dar es Salaam mit der Crew von OmanAir. Als die nämlich von meinem Vorhaben und meinem Background als Flugbegleiterin erfuhr, waren sie gleich Feuer und Flamme – und luden mich dazu ein, ihnen während ihrem Layover Gesellschaft zu leisten.

War ich also mit der Besatzung nicht gerade auf einem Ausflug zur Spice Farm oder der Prison Island, verbrachte ich die ersten Stunden auf Zanzibar kokosnusschlürfend auf einem Liegestuhl eines 5-Sterne Hotels. Besser hätte es also wirklich nicht kommen können.

Zanzibar - Hakuna Matata - alles in bester Ordnung

Am Ende des Stegs findet sich eine gemütliche BarLounge und ein Direktzugang ins glasklare Wasser

Zanzibar - Hakuna Matata - alles in bester Ordnung

P.A.R.A.D.I.E.S

Das kleine Zwischentief
Meistens auf Halbzeit einer Reise hat man dann auch diese Tage, die man später am liebsten völlig aus seinen Gedächtnis löschen möchte. Tage, an denen einem die Umgebung nicht passt, das Essen nicht schmeckt, man sich mit einer Lebensmittelvergiftung im Bad einschliesst oder sonst alles drunter und drüber läuft.

Einer dieser Tage blieb mir auch auf Zanzibar nicht verwehrt. Nicht nur, dass ich festgestellt hatte, dass alle Direktflüge nach Dubai und Umgebung komplett ausgebucht waren und ich mir den Kopf darüber zerbrach, wie ich dies meinem Manager beibringen konnte. Da fand ich per Zufall auch noch heraus, dass mein Ticket für eine Broadwayshow beim letzten Layover in New York zweimal auf meinem Konto belastet wurde und sich Passagier 86C auf dem Hamburg Flug vom 21. Juni beim Kundendienst beschwert hatte. Ich hätte ihm Schwarztee serviert, obwohl er ausdrücklich einen Grüntee bestellt hätte. (?!)

Hakuna Matata – und die Sorgen bleiben dir fern

Doch all das Reisen hat mich eines gelernt – Gelassenheit ist die Lösung für alle Probleme und der Schlüssel für Zufriedenheit. In Swahili sagt man ganz einfach Hakuna Matata (dt. Es gibt keine Sorgen / alles in bester Ordnung). Für die Ostafrikaner sind dies weitaus mehr als nur zwei Wörter. Es ist die Lebenseinstellung einer ganzen Nation.

Doch leider ist Gelassenheit eine Fähigkeit , die wir oft im Verlaufe des Erwachsenenwerdens mehr und mehr verlernen. Diese innere Einstellung muss man sich dann nach einer Weile wieder mühsam aneignen. Beispielsweise mit teuren Yoga Kursen, Zen Theraphien oder Lifestylemagazinen. Dabei ist es doch so einfach.

Einfach die Dinge akzeptieren, die man nicht ändern kann. Sich die Frage stellen: Macht es die Sache besser, wenn du dich aufregst? Nein? Also, spar dir den Stress.

Zanzibar - Hakuna Matata - alles in bester Ordnung

„Hakuna Matata“ wird auf Zanzibar gelebt

Dabei darf Gelassenheit nicht gleich mit Faulheit und Gleichgültigkeit gleichgesetzt werden. Vielmehr geht es darum, sich von äusseren Umständen nicht aus der Ruhe bringen zu lassen und in der Gegenwart zu leben. Um dann bedacht Entscheidungen zu treffen.

Meine verbleibenden Tage auf der Insel werde ich also wie schon bisher mit leichter Lektüre, Passionsfruchtsaft und Kitesurfen verbringen. Ganz nach Hakuna Matata. Und überhaupt nichts wird mich aus der Fassung bringen können. Auch nicht der Fakt, dass ich übermorgen für die Rückreise den ganzen Weg bis nach Johannesburg in Kauf nehmen werden. Bloss um von dort einen Flug meiner Airline nach Dubai ergattern zu können.

Übrigens; das Dalla Dalla hat bereits vor einer halben Stunde den  Geist aufgegeben. Wir sitzen seither alle am Strassenrand und hoffen auf ein Wunder, dass der Fahrer das Ding noch heute zum Laufen bringt. 😉

 

Zanzibar, Tansania – #behindthetrip


Reisezeit: August 2016 | ReiseartBackpacking | Reisedauer: 6 Tage
Reiseroute: Kiwengwa und Umgebung, Paje

Geschlafen

Melià Resort Zanzibar *****
Dieses Resort bietet einfach alles was man sich unter einem Traumhotel vorstellt! Eine wunderschöne All-Inclusive Anlage direkt am Meer der exotischen Nordküste der Insel Zanzibar.

Baby Bush Lodge, Kiwengwa
Abends mit dem Rauschen des Meeres einschlafen und morgens ein leckeres Frühstück mit hausgemachter afrikanischer Paratha und frischen Früchten geniessen. Einfach nur herrlich! Die Lodge erinnert an eine Art Baumhaus und liegt direkt am Meer.  Mit 17 Fr / pro Nacht für ein Bett im Dorm ein wahres Schnäppchen für zanzibarische Verhältnisse!

Gut gelandet

Einige Fluggesellschaften wie z.B OmanAir bieten Direktflüge nach Zanzibar an. Wer es aber abenteuerlich mag und keine Flugangst hat, dem empfehle ich den Charterflug von Dar es Salaam aus. Preise variieren nach Nachfrage und Angebot zwischen 50.00 – 80.00 Fr. Das Geld ist es aber auf alle Fälle wert. Der Flug dauert rund 2o Minuten und das Ticket kann online gebucht werden. Anbieter sind z.B Zanair, Coastal Aviation oder Precision Air.

Gegessen

Fisch und Gemüse. Simpel und köstlich! Fragt nach dem Fang des Tages. Unvergesslich bleibt auch der Geschmack des frisch gepressten Passionsfruchtsafts. Hab ich bis jetzt nur auf Zanzibar gekriegt. Mhmm…

Geldfragen

Ja, mit dem Geld ist das so eine Sache auf Zanzibar… Da der Tansanische Schilling seit Jahren rapide an Wert verliert, wird der amerikanische Dollar der lokalen Währung bevorzugt. Doch noch viel wichtiger ist, dass du Bargeld dabei hast. Und damit meine ich VIEL Bargeld. Die einzigen drei Bankautomaten auf der Insel (welche für Touristen zugänglich sind)  befinden sich nämlich in der Hauptstadt Stonetown. Es hat noch einen weiteren am Flughafen Zanzibars, den ich aber nicht mitzähle, da er meistens ausser Betrieb ist. Entweder bringt ihr also im vornherein viele Dollar mit oder besorgt euch am besten einen dicken Geldbeutel. Damit ihr dann die Millionen an Schillingen verstauen könnt. Das Visa für die Einreise kostet 50 US Dollar und muss bar bezahlt werden.

Gereist

Zugegeben, Zanzibar ist nicht eine typische Destination für Rucksacktouristen. Busse und Züge sucht man daher vergebens. Taxis sind verfügbar aber teuer. Eine gute Alternative; fragt einfach die Person an der Rezeption für eine Transportmöglichkeit. Die Inselbewohner sind sehr um dein Wohl bemüht und werden alles daran setzten, dich sicher von A nach B zu bringen. Auch wenn dafür der Cousin oder der Nachbar als Fahrer einspringt. Über so viel Gastfreundschaft kann man nur staunen und ein ordentliches Trinkgeld für den Fahrer sollte auf jeden Fall drinliegen. Wer auf Sparkurs ist und Zeit hat, dem empfehle ich das Dalla Dalla 😉 Fährt stündlich und hält überall am Strassenrand auf Bedarf.

Geheimtipp

Möchtet ihr eure Abende nicht damit verbringen, lästige Seeigelstachel aus der Fussohle zu entfernen, dann rate ich euch dicke Füsslinge mit ins Gepäck zu packen. Leider ist besonders die Nord-und Ostküste voll von diesen lästigen Stacheltieren.

 

 

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