How is the fire going? – Sicher an Board

25. September 2015

«I need Backup», brüllte Yanni und rannte mit dem Feuerlöscher in der rechten und dem Atemschutzgerät in der linken Hand auf den brennenden Sitz 47D zu. «I’m your Backup», schrie ich zurück und griff ebenfalls zum Equipment. Schliesslich ging es  hier um Leben und Tod.


Seit gut drei Wochen besuche ich das hauseigene Aviation College im östlichen Stadtteil Dubai’s. Während insgesamt acht Wochen werde ich hier auf die beiden Flugzeugtypen Airbus A380 und Boeing 777 geschult und auf meine Tätigkeiten an Board vorbereitet. Hinter mir liegt das 13-tägige intensive SEP Training zu Sicherheits-und Notfallprozesse.

Morgenstund hat Gold im Mund

Noch vor Sonnenaufgang standen wir jeweils vor dem Flugzeugsimulator – ready, die täglich zu absolvierenden Assessments über das am Vortag gelernte Thema hinter uns zu bringen. Die erste Herausforderung galt es aber bereits vorher zu bewältigen. Nämlich in aller Herrgottsfrühe aufzustehen. War doch früher 03.15 Uhr die Zeit, bei welcher ich Werktags tief und fest schlief oder Samstags das erste Mal während des Ausgangs auf die Uhr schaute… Gleich drei Wecker (jeweils einer neben beiden Seiten des Bettes und einer als Backup auf dem Schreibtisch) wurden anfänglich benötigt, um zu garantieren, dass ich rechtzeitig auf die Beine kam. Unglaublich, wie ich innerhalb kürzester Zeit so zum Frühaufsteher mutierte und die wahre Wirkung des Kaffees zu schätzen lernte.

"How is the fire going?" - Sicher an Board

Rapider Druckabfall über San Francisco und Feueralarm in der Business-Class

Herabfallende Oxygenmasken, dichte Rauchschwaden innerhalb der Kabine, blinkende Warnsignale oder Turbulenzen; Es gibt eigentlich keine Situation, welche die insgesamt 17 Flugzeugsimulatoren in den Gebäuden des Colleges nicht nachstellen können. Was für manche nach einer Kombination aus Freizeitpark und Adventureroom klingt, war für uns angehenden Cabin Crew Member vorallem ein’s – Stress. Gar nicht so einfach, im Falle eines Notfalls einen kühlen Kopf zu bewahren, den gelernten Prozessen zu folgen und richtig zu handeln. Auf der anderen Seite war es toll, die Möglichkeit zu erhalten, solche Szenarien, die man wahrlich nie im realen Leben erleben möchte, in einem gestellten Umfeld erproben zu können. Es gibt einem das Gefühl von Sicherheit und mehr Selbstvertrauen.

Amateur-Feuerwehrleute in Action

Die Tatsache, dass noch ziemlich unerfahrene Crew Member sich am Feuerlöschen oder Evakuieren eines Flugzeuges versuchten, sorgte vor allem für amüsante Unterhaltung unter den Trainern und innerhalb des Batches. So zum Beispiel, als Ebony aus Melbourne dem Captain über das Bordtelefon versuchte mitzuteilen, dass wir ein Feuer an Board haben und währenddessen die Lage der prekären Situation bei den Feuerlöschern erkundete:

Ebony: «Guys, how is the fire going?» (dt. He Leute, wie gehts dem Feuer?)
Ich: — mit Löschen beschäftigt —
Yanni: «Well, it’s still on…!» (dt. Naja, es brennt noch…)
Ebony: «Captain, it’s still on»

Gehirnjogging

Nebst den praktischen Übungen war auch viel Denksport dabei. Und dieser hat bekanntlich ja noch niemandem geschadet. So wurden meine grauen Zellen die letzten paar Tagen ganz schön auf Trab gehalten. Eine der theoretischen Prüfungsaufgaben bestand darin, das Notfallequipment in korrekter Menge und dessen Standort in der Kabine des Airbusses A380 zu kennen. Auswendig-Lernen lautete die Devise. Gar nicht so schwer, wären da nicht an die 20 verschiedenen Items, verteilt auf 1o Stationen im Hauptdeck und 6 Stationen im Oberdeck und dies in ungleichmässiger Menge. Ganz geschweige davon, dasselbe dann auch noch für die Boeing zu wissen.

Fliegen – nicht mehr aus der Perspektive eines Passagiers

SEP war schweisstreibend, intensiv und womöglich der schwierigste Part der Ausbildung. Doch die Erfahrungen aus diesem Training haben mein Wissen in Bezug auf Aviatik und zum Job grundlegend verändert.

Hättest du gewusst?

  • Ein Airbus A380 mit einer Kapazität von rund 558 Passagieren muss innerhalb 90 Sekunden evakuiert werden können. Geht nicht? Geht doch! (Siehe hier). Dies gilt übrigens nicht nur für diesen Flugzeugtyp. Eine Regelung der internationalen Luftfahrtbehörde IACO schreibt vor, dass jedes Verkehrsflugzeug vor seiner Zulassung diese maximale Evakuierungsdauer nachweisen kann.
  • Die Türen auf Höhe der Flügeln können im Falle einer Wasserevakuierung nicht genutzt werden, da die Rutschen nicht als Floss verwendet werden können.
  • Das Feuerzeug ist weder im Frachtraum noch im Gepäckfach oberhalb der Sitze erlaubt. Es darf ausschliesslich am Körper der Person (z.B in den Hostentaschen) getragen werden.

Übrigens, die SOP’s (dt. Definierte Standartprozesse/Abläufe für Tätigkeiten und Situationen an Board) unserer Airline besagen tatsächlich, dass im Falle eines Feueralarms alle Crew Member zum Feuerlöscher greifen und sich zur Unfallstelle begeben. Die erste Person, die an der betroffenen Stelle eintrifft, operiert automatisch als Feuerlöscher und fordert Backup 😉

"How is the fire going?" - Sicher an Board

 

3 Comments

  • Reply Urs Wiederkehr 16. Oktober 2015 at 15:39

    Liebe Jenny

    …wie geht es dir 🙂
    …super oder, sagt mir mein Bauchgefühl, wenn ich deine Artikel lese. Viele Sequenzen, so scheint mir, habe ich dir bereits in den interessanten Aviatik- Gesprächen erzählen können. Es freut mich sehr, dass einiges davon eingetroffen ist und noch viele weitere Geschichten eintreffen werden. Wehmütig packt mich der Gedanke auch wieder die „powerful’en engins“ zu starten. Es war eine mega gute Zeit 🙂 !!! Die Fliegerei wird mich nie verlassen. Bin überzeugt, dass du die gleichen Erfahrungen machen wirst und gönne dir von Herzen diese wunderbare „…nur Fliegen ist schöner- Infizierung“ durch diesen Job. Wünsche dir nur das allerbeste und ein baldiges „ready for take off“ 🙂
    en liebe Gruess vom Urs

    • Reply jennyr 18. Oktober 2015 at 16:40

      Lieber Urs,
      Es freut mich, von dir zu hören!:) Tatsächlich war das Eine oder Andere dank Insiderwissen nicht ganz neu für mich;) Es ist wirklich eine vollkommen andere Welt und bald geht es erst recht richtig los. Das Training neigt sich bereits dem Ende entgegen. Diese acht Wochen waren echt tough, aber enorm lehrreich und faszinierend zugleich. Ich versteh nun umso besser, was du mit „echtem Training“ gemeint hast. Ganz liebe Grüsse nach Ebikon

  • Reply The Art of Charme - Flirten will gerlernt sein - 1. März 2016 at 20:38

    […] die Ausbildung zur Flugbegleiterin hat mich ja mit einem fundamentalem Grundwissen in Bezug auf […]

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