#savoir-vivre #weltammontag Fliegen Flight Attendant

Lawrence von Sarabien

10. Oktober 2016
Sarab

Ich in Dubai, am Montag 05.32 Uhr. Unter der Crew gibt es drei Standartsätze, um das Eis zu brechen: «Woher kommst du?» «Wie lange fliegst du schon?» und «Wo lebst du in Dubai?» In meinen Fall bietet besonders Frage Nummer drei Grundlage für einen Witz oder einem bemitleideten «I feel so sorry for you.» Ja, als Bewohner von Sarab hat man es nicht immer leicht.

Unvergesslich bleiben meine ersten Eindrücke bei der Ankunft in Dubai . Als der Taxifahrer nach rund 25 Minuten Fahrt endlich die Ausfahrt der Sheik Zayed Road nahm, lag die Skyline Dubai’s schon weit entfernt hinter mir. Der Burj Khalifa – nicht mehr viel grösser als ein Streichholz. Es war dunkel und hinsichtlich der paar vertrockneten Sträuchern und den sechs beigen Bauklötze (- den Wohnhäusern -) nahm ich an, der feine Monsieur Taxifahrer hätte sich verfahren. Doch in dieser Annahme lag ich weitaus falsch. Sarab Block 2A wurde ab diesem Moment zu meiner neuen Bleibe erkoren. Es war auch der Abend, an welchem ich zum ersten Mal meinen Weg mitsamt Gepäck stampfend durch den knöchelhohen Sand richtung Eingangsbereich ebnete. Seit jenem Abend gehört ein Häufchen Sand in der Wohnung quasi zum Inventar.

Still Jenny from the Block

Mein Einzug in Sarab war vor gut einem Jahr. Der Eingangsbereich hat mittlerweile einen Vorplatz erhalten und für’s Schuhwerk setzte ich vermehrt auf Sandalen und Flip Flops. (Die nehmen weniger Sand auf.)

Bei meinen Freunden und Familie habe ich mich offen gesagt oft selbst bemitleidet. Warum ausgerechnet Ich in der Wüste Dubais untergebracht wurde, während andere (- Flugbegleiter -) in den Genuss von Unterkünften mit Blick auf den Burj Khalifa kamen. Die besagten «Anderen» können auch bequem mit der Metro durch die Downtown cruisen und sich cocktailschlürfend in ihren Infinitypool setzen. Unterdessen befreie ich meine Aussenfenster von einer 3cm dicken Staub- und Sandschicht; und das alles nur für ein bisschen Sonneneinstrahlung in die sonst so triste Wohnung.

Waschechte Sarabians

Fakt ist: Sarab hat Geschichte. Wahrscheinlich mehr als die pompöse Stadt Dubai und das Land zusammen. Laut Gerüchten war Sarab einst dank seiner abgelegenen Location der Inbegriff für legendäre und exzessive Parties innerhalb der Flugbegleiterszene. Viele dienstältere Berufskollegen kommen noch heute ins Schwärmen über die goldenen Zeiten der Flugbegleiter aus dem mittleren Osten.

Auch wenn die wilden Parties längst passé sind;  die Community existiert nach wie vor. Sarabiens halten zusammen! Und dank den Zeiten von Facebook, Snapchat und der hauseigenen iCrew App geht das einfacher als je zuvor.

Während auf Facebook Leute wie Lawrence aus 2B sich nach einer passenden Glühbirne für ihre Deckenlampe erkundigen, braucht Antonio aus 5C noch etwas Butter für sein Vermicelles. Auf Instagram präsentieren Crew ihre Fotos vom letzten Afternoon-Tea beim Pool in Block 4 und vor dem Costa Coffee gleich gegenüber meines Blockes versuchen Mohamed und Rida mit vereinter Manneskraft, Emma’s Wagen freizulegen. Der steckt nämlich seit Donnerstagmorgen mit dem Vorderrad im Sand fest. Natürlich lässt sich die ganze «Ausbuddelaktion» direkt live über Snapchat verfolgen.

Und das Tolle an der ganzen Sache; Die Community wächst und wächst. Da gibt es unter anderem die Sarabian Kochgruppe, die Sarabien Party-Ausgangs-Truppe und ein in Sarabien Carfreaks Club. Ganz geschweige von der »How to escape from Sarab» Gruppe.

Sarab ist Fluch und Segen zugleich. Wie alles in Dubai entwickelt sich auch der Stadtaussenseiter von Tag zu Tag weiter. Soweit, bis Sarab irgendwann auch ein Teil des grossen Ganzen sein wird. Wer weiss; in ein paar Jahren werde ich vielleicht an diesen Ort zurückkehren und stolz darüber sein, einmal ein Wüstenkind von Sarabien gewesen zu sein.

 

Anmerkung zum Artikel:

Als Flugbegleiter im mittleren Osten wird einem die Unterkunft meistens kostenlos zur Verfügung gestellt. In meinem Fall bezahle ich weder Miet- noch jegliche Unterhaltskosten. Ausserdem ist für den Transport für und von der Arbeit gesorgt. Diese Firmenbusse dürfen auch in der Freizeit benutzt werden. 

 

#weltamMontag


MONTAG. Das L steht für Lieblingstag…

Für die viele ist Montag der Liebste nach all den Sechs zuvor. Und weil es am Montag immer viel aus der Welt zu berichten gibt, schreibe ich ab jetzt jeden Montag ein paar Gedanken aus dem Ort, wo ich mich gerade befinde. #weltamMontag ist die wöchentliche Kolumne, welche den Tag und den Kaffee mit einem Schmunzeln versüssen soll. Für alle starken Denker im Büro und Supermami’s zu Hause; bleibt stark, ihr schafft das! Immerhin sind’s nur noch 5 Tage bis zum Wochenende!

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