Afrika Angola

Das Zuhause der Slumdogs und der Millionaires

17. März 2016
Luanda

Um dich herum siehst du schicke neue Wolkenkratzer, doch du bist nicht in Dubai. Mit Umbundu, Kikongo oder Ngangela bist du zwar gut bedient – mit Portugiesisch aber klar im Vorteil. Der Verkehr erinnert dich an Bangkok, doch von Thailand bist du Meilen entfernt. Und bei den horrenden Preisen musst du sogar als Schweizer zweimal schlucken. Wo bist du?

Die Antwort lautet: Luanda. Womöglich hältst du jetzt kurz inne und fragst dich, wo zum Teufel liegt den Luanda? Sicher kannst du noch nicht mehr damit anfangen, wenn ich dir sage, dass Luanda die Hauptstadt von Angola ist und in Südwestafrika liegt. Ich kann dich beruhigen, ich wusste bis vor Kurzem auch nicht viel mehr als du.

Hektisch in Luanda

Überall Leute. Es geht hektisch zu und her. Schwangere Frauen tragen Plastikkisten voll mit Mangos und Ananas auf ihren Köpfen. Am Strassenrand wird heiss diskutiert. In Portugiesisch. Erst vor 40 Jahren wurde Angola unabhängig. Von der ehemaligen Kolonialmacht Portugal ist nicht nur die Sprache, sondern auch die architektonische Bauweise geblieben. Doch für wie lange noch?

Eine Stadt im Wandel

Westliche Bauherren reissen sich um die Projekte in der Republik Angolas. Das Stadtbild hat sich seit dem Bauboom je verändert. Gemeinsam mit Eli, ebenfalls Cabin Crew, treffe ich mich am Abend mit Marcos und Mauro auf eine kleine Stadttour mit anschliessendem Schlummerdrink. Beide sind aufgewachsen und momentan in Luanda.

«Es ist unglaublich, wie schnell die Stadt wächst. Vor ein paar Jahren war von Hochhäusern noch weit und breit keine Spur», meint Marcos nachdenklich.

Auch mir fallen die riesigen Hotelbunker und Geschäftshäuser auf.

In Luandas Stadtzentrum trifft man auf Kontraste, die man sich kaum vorstellen kann wenn man es nicht mit seinen eigenen Augen gesehen hat. Armut und Reichtum bilden zwei Extreme. Ein «dazwischen» lässt sich nur schwer erkennen.

Um die Wolkenkratzer herum zieren sich Wellblechhütten. Ein silberner BMW hält an der roten Ampel während ein junger Mann im Rollstuhl und zerrissener Hose die Strasse überquert. Im fehlt ein Bein.

Während wir in der Bar Chivas sitzen, fährt hie und da ein Wagen der Armee vorbei. Vier bis fünf Soldaten sitzen auf der offenen Rückbank. Rundum bewaffnet.

Ein exquisites Stück Pizza

Was viele nicht wissen. Luanda ist quasi der teuerste Flecken Erde der Welt. Die angolanische Währung nennt sich Kwanza. Laut geld-welten.de unterliegt dieser einer Inflationsrate 13.1%! Mir ist aufgefallen, dass einige Crew Mitglieder sogar ihr eigenes Essen mitbringen, um die 45 US-Dollar für eine Pizza im Hotel zu sparen.

Mauro versucht mir zu erklären, warum Angola so horrend teuer ist:

«Angola ist einer der grössten Erdölproduzenten Afrikas. Internationale Konzerne haben dies im Visier. Dazu kommen überteuerte Mietpreise und Importe, welche die Preise weiter in die Höhe treiben.»

 

Malaria halb so wild

Nach Einbruch der Dunkelheit wird es ruhiger auf den Strassen Luandas. Der stockende Verkehr des Nachmittages scheint wie weggeblasen zu sein. Es ist nach wie vor herrlich warm. Feucht, aber nicht schwül.

Meine einzige Sorge im Moment sind die Mücken. Sicherheitshalber überziehe ich meine Haut noch mit einer weiteren Schicht Mückenspray. In Angola ist das Risiko für Malaria besonders hoch.

Marcos mustert mich. «Weisst du, Malaria ist eigentlich wie eine leichte Erkältung. Jeder von uns hatte es schon einmal. Da muss man durch, wenn man die richtige Afrika-Experience möchte.» Humor haben sie, die Angolaner.

Zufriedenheit hängt nicht vom Geld ab

Interessant sind die Menschen in Luanda allemal. Und es scheint, dass trotz der wirtschaftlichen und sozialen Umstände die Lebensfreude nicht verloren geht. Die Leute sind gut gelaunt und haben das Bedürfnis, zu tanzen und zu singen. Und sie mögen’s laut. Lautes Reden, Musik, Autos etc. Vor den Terrassen der Strandhäuser stehen riesige Boxen. Für einen Mittwochabend ist auch die Chivas Bar ziemlich voll.

Marcos meint: «Im Dezember ist hier in der Gegend besonders viel los. Dann kommen nämlich alle Studenten während ihren Semesterferien zurück in ihre Heimatstadt. Überall gibt es Parties und Openairs mit internationalen DJ’s.»

Luanda. Eine Stadt, die mir bisher weitaus unbekannt war. An deren Gedanken mir es schwer fiel, irgendetwas darunter vorzustellen. Angolas Kapital hat mich fasziniert und zugleich sehr nachdenklich gemacht.

Einmal mehr erfüllt mich ein Gefühl von Glück und Zufriedenheit. Darüber, diesen lauen Sommerabend mit einem kalten Bier und guter Gesellschaft in einer kleinen Bar im Südwesten Afrikas verbringen zu dürfen. Im Moment zu leben. Und ein Stück mehr von unserem Planeten gesehen zu haben.

Luanda – #Inspirieremich

Gut gelandet

Der Flughafen Aeroporto Internacional Quatro de Fevereiro von Luanda befindet sich nur 4km vom Stadtzentrum und hat nur zwei Start- und Landebahnen. Ein neuer Flughafen befindet sich im Bau. Ausserdem ist Luanda nur vier Flugstunden von Kapstadt (Südafrika) entfernt.

Gegessen

Die portugiesische Küche überwiegt nicht nur in den Restaurants, sondern auch in den Haushalten Angolas. Sehr zu empfehlen ist zum Beispiel das traditionelle Bauern- und Hirtengericht Bacalhau com migas. Bacalhau ist ein Stockfisch und Migas steht für zerbrökeltes Weissbrot, das mit verschiedenen Gewürzen verfeinert wird.

Gesprochen

Offizielle Landessprache ist Portugiesisch (Guten Tag = Bom Dia / Auf Wiedersehen = Adeus)

Gut zu wissen

Leider akzeptieren viele Restaurants und Shops US-Dollar nicht. Auch bezahlen mit der Karte gestaltet sich eher als schwierig. Daher unbedingt Bargeld in lokale Währung (Kwanza) umtauschen.

Geheimtipp

Bei einem Spaziergang entlang des Hafens wirst du staunen, wie aktiv die Leute hier sind. Skater zeigen ihr Können auf dem Brett, Basketballer werfen Körbe und eine Hip Hop Tanzgruppe bringt die Bevölkerung in Tanzstimmung.

 

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2 Comments

  • Reply Debby 21. März 2016 at 16:25

    Hey Jenny!

    Wieder einmal ein super inspirierender Blogbeitrag von dir! Ich muss zugeben, dass ich Anfangs auch keinen blassen Schimmer hatte wo oder was Luanda sein sollte, doch dein Beitrag macht einen grad sofort „gluschtig“ diese Stadt einmal kennen zu lernen.

    Vielleicht nicht umbedingt als „Backpacker“ aufgrund der teuren Ausgaben (Wie zur Hölle kann denn eine Pizza 45 USD kosten?!) 😀 Aber bestimmt einmal in den typischen Familienferien wird es bestimmt einmal auf unserer Route sein!

    Danke für deinen Tipp! Freue mich schon auf deinen nächsten Beitrag, Liebe Grüsse!!!

    • Reply jennyr 21. März 2016 at 17:50

      Hi Debby,
      Luanda wird für mich bestimmt auch nicht das letzte Mal gewesen sein. Hab mir aber auch überlegt, dass das selbst mit Backpacking ziemlich teuer kommen könnte;) Couchsurfing wäre eine gute Alternative.

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