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Miteinander allein – Freunde für den Moment

25. Oktober 2016
Miteinander allein - San Francisco

San Francisco am Montag, 13.20 Uhr Ortszeit. Nur ein kurzer Stopp. Schnell ein Foto schiessen. Und schwups, da habe ich es doch tatsächlich geschafft, meine drei Gspändli von der Crew während dem Velo-Fahren auf der Golden Gate Bridge zu verlieren. Ausgerechnet heute, wo ich wieder einmal mit richtig coolen Leuten unterwegs bin. Wieder einmal, weil das ehrlich gesagt ziemlich selten vorkommt. Denn nicht immer sind Airline Crews so unternehmungslustig und kontaktfreudig. Es folgt eine Erklärung, warum man auf Layover’s sowieso nur  «miteinander allein» ist.

Es arbeiten 27’000 Flugbegleiter für unsere Airline in Dubai.  Auf einem Flugzeug des Types A380 treffen 28 davon aufeinander. Meistens zum ersten Mal. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass man zweimal mit der gleichen Person fliegt ist fast so unwahrscheinlich wie im Lotto zu gewinnen. Da bleibt man also erst einmal in dieser Formation für die nächsten paar Stunden bzw. Tage. Nach San Francisco wären das 15 Stunden Hin- und Rückflug plus Aufenthalt.

Big Brother on air

Es gleicht einem sozialen Experiment; Man steckt 28 Menschen mit verschiedenen Nationalitäten und Hintergründen in eine Aluminiumdose und schaut, wie diese innerhalb 15 Stunden miteinander agieren. Um das Ganze ein wenig spannender zu machen, ergänzt man noch 560 hungrige und energiegeladene Statisten, bringt die Aluminumdose hie und da ein wenig zum Wackeln und lässt die Probanden miteinander ein gemeinsames Ziel erreichen; Den besten Inflight-Service der Welt zu liefern.

Hoffentlich kann man sich riechen – nebst Chicken und Beef

Aus Erfahrung kann ich sagen, dass wir bezüglich der Zielerreichung nicht schlecht abschneiden. Der Weg dahin ist jedoch manchmal steinig und schwer. Im dümmsten Fall trifft man auf Kollegen, mit denen man privat keine Minute verbringen würde.

Im besten Fall hingegen trifft man auf Leute seinesgleichen. Abenteurer, Entdecker, Komiker. Einfach Menschen, mit denen man Berge versetzen und Pferde stehlen könnte. Und das alles auf einem 24 Stunden Aufenthalt irgendwo in einem fernen Land auf diesem Planeten.

Gerne erinnere ich mich an die ausgelassenen Abende in Bangkoks Partymeile Kao San. An den spontanen Musikfestivalbesuch in Sydney, den Roadtrip in Houston, das Essmalheur in Hongkong oder dann diese fantastische Fahrradtour über die Golden Gate Bridge in der goldenen Stadt.

Miteinander allein - San Francisco

Die Farbe der Golden Gate Bridge hat einen eigenen Namen – Internationales Orange 😉

Miteinander allein - San Francisco

Die Golden Gate Bridge vom Schiff ausgesehen

Für 24h lebt man dann total in der Gegenwart. Mit Personen, die einem gestern noch unbekannt waren.
Eine unglaubliche Verbundenheit entsteht. Es wäre fast, als kenne man sich schon Jahre.

Der Rückflug ist dann meist ein Kinderspiel. Wie wäre es auch anders, nach einem solch gelungen  Teambuilding. (Einmal mehr eines dieser hippen neuen Wörter aus der Welt des Business).

Auf Wiedersehen – nicht wortwörtlich gemeint

Doch leider hält dieses  «Höhegefühl» und die entstandene Verbundenheit meist nicht länger an, als bis zu dem Moment, wo der eigene Koffer auf dem Gepäckband in Dubai ankommt. Dann gibt es nebst einem kurzen «Bye, see you!» nur selten noch eine kurze Umarmung.

Von den Leuten, von denen du geglaubt hast, sie wären dein Seelenverwandter. Da trennen sich die Wege. Bekannte werden zu Fremden. Momente werden zu Erinnerungen.

Und dann realisiert man wieder. In einer Welt wie diesen ist man am Ende trotzdem nur miteinander allein.

Miteinander allein - San Francisco

San Francisco’s Cable Car

Miteinander allein - San Francisco

#weltamMontag


MONTAG. Das L steht für Lieblingstag…

Für die viele ist Montag der Liebste nach all den Sechs zuvor. Und weil es am Montag immer viel aus der Welt zu berichten gibt, schreibe ich ab jetzt jeden Montag ein paar Gedanken aus dem Ort, wo ich mich gerade befinde. #weltamMontag ist die wöchentliche Kolumne, welche den Tag und den Kaffee mit einem Schmunzeln versüssen soll. Für alle starken Denker im Büro und Supermami’s zu Hause; bleibt stark, ihr schafft das! Immerhin sind’s nur noch 5 Tage bis zum Wochenende!

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