Afrika Südafrika

Reisebericht Südafrika: Roadtrip ans Kap

30. April 2016
südafrika

Mit 15km/h rollen wir mit unserem «Geländewagen» über die holprige Schotterstrasse. Meter für Meter pirschen wir uns näher ans Wildtier heran. Smartphones und Kameras sind griffbereit und die Seitenscheiben nur einen winzigen Spalt breit heruntergekurbelt. Schliesslich wollen wir kein Risiko eingehen. Auf der Safari in Südafrika.

Eine Reisebericht über den Roadtrip nach Kapstadt

Afrika soll es sein

Noch vor wenigen Tagen erledigte ich auf meinem Layover in Manchester die letzten Besorgungen für meinen bevorstehenden Urlaub. Neun Tage am Stück würden es sein. So viele Freitage hatte ich seit einem gefühlten Jahrhundert nicht mehr! Und ich wollte in den Süden. Genauer genommen in den Süden Afrikas.

Doch die Reaktionen zu meinem jüngsten Reisevorhaben blieben anfänglich skeptisch. «Was?! Du willst nach Afrika? Alleine?» So etwa mein Kollege Ricky aus Dubai. «Dort ist es abends mega gefährlich und Touristen werden kaltblütig ausgeraubt.» Seinem Gesichtsausdruck zufolge hätte man meinen können, ich hätte ihm gerade eine persönliche Einladung zu meiner Trauerfeier überreicht. Dabei ist Südafrika schon lange kein Geheimtipp mehr, dafür seit Jahren eine beliebte Destination bei Safarifans und Sprachschüler.

Sehr zur Beruhigung meines Umfeldes zog ich dann am Ende doch nicht alleine los sondern kriegte geselligen Zuwachs durch Hisham; seines Zeichens Flugzeugingenieur und ein wahrer Meister wenn es darum geht, wie man am besten von A nach B kommt. Ist er nicht gerade damit beschäftigt, einen Airbus für den nächsten Flug zu warten, so verbringt er seine Zeit damit, die nächste Mini-Backpackingtour zu organisieren. Nicht verwunderlich, dass ich ihn auch genau auf einer solchen damals in einem Hostel in Sri Lanka kennengelernt habe. Mittlerweile sind wir nicht nur gute Freunde sondern arbeiten auch für dieselbe Airline.

Viel Zeit um die Afrikareise zu planen blieb durch meinen straffen Flugplan jedoch nicht. Wir trafen uns darum zwei Tage vor Abreise um das Flugticket zu buchen, ein Mietauto zu arrangieren und Start-sowie Endpunkt unserer Reise festzulegen. Alles dazwischen überliessen wir dem Zufall.

Tschüss, ich bin dann mal Passagier

Es war schon etwas komisch, nach langer Zeit wieder einmal als Passagier ein Flugzeug zu betreten. Dies zeigte sich auch dadurch, dass ich selbst beim Boarding das Flugbegleitersyndrom nicht ganz verdrängen konnte. Als sich nämlich der erste Rückstau im Gang ankündigte, begann ich intuitiv volle Gepäckfächer zu schliessen und Personen in ihren Sitz zu weisen. Hisham konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. Als ich mich endlich in den Sitz fallen liess, spürte ich, wie sich die Anspannung der letzten Stunden langsam in meinen Muskeln löste. Nach Monaten des Dauerfliegens freute ich mich darauf, einmal etwas länger an einem Ort zu verweilen. Kein Jetlag, kein mühseliges Kofferpacken und kein Gedanke darüber, ob ich meine Nägel polieren oder noch ein bisschen Lippenstift nachtragen sollte. Selbst der Haarspray konnte ich ohne schlechtes Gewissen gegen Antibrumm eintauschen.

Sicher ans Kap

8h Flug. Sanfte Landung. Stempel im Pass. Es hiess; Willkommen in Afrika!

Keine Stunde später befanden wir uns auch schon mit unserem Mietwagen auf den Strassen Johannesburgs in Richtung Hochland. Damit das Fahrerlebnis während der Reise nicht durch unangenehme Situationen getrübt wurde, gab es bezüglich sicherem Fahren in Afrika eigentlich nur folgende paar goldene Regeln zu beachten:

  1. Verriegle alle Türen (auch während des Fahrens.)
  2. Schliesse alle Fenster
  3.  Lasse das Auto nie unaufbesichtigt
  4.  Fahre nicht bei Nacht

(PS: Solltest du trotzdem überfallen werden, kooperiere, kommuniziere und zeige keine Angst.)

Roadtrip Südafrika

Atemberaubende Kulisse auf dem Weg nach Clarens

Vorstellung vs. Realität

Die ersten anderthalb Stunden Autofahrt überliess ich meinem Travelbuddy und klinkte mich erst einmal aus. Der würde das schon hinkriegen. Schliesslich hatte er mich und Jannik aus Frankfurt schon damals in Sri Lanka bei Nacht und Nebel durch die verlassenen Wälder des Hochgebirges gelotst . (Die ganze Geschichte gibts hier auf ). Der erste Stopp und Fahrerwechsel folgte an einer abgelegenen Tankstelle. Es blies ein leichter Wind und ein Blick hinter die Fassaden des alten Wärterhäuschen liess eine kleine Farm mit ein paar Hühnern erhaschen.

Roadtrip Südafrika - Rast auf dem Weg von Johannesburg nach Clarens

Rast auf dem Weg von Johannesburg nach Clarens

Roadtrip Südafrika - Der wohl typische Tante-Emma-Laden

Der wohl typische Tante-Emma-Laden

Hin und her gerissen von meinen Vorstellungen und der Realität begrüsste uns anstelle eines schwarzen Stammeshäuptlings ein älterer Herr, dessen Akzent indische Wurzeln erahnen liess. «Good Place, very good place», meinte er auf die Frage, wie ihm Südafrika gefalle. Er lebe schon fünf Jahre hier. Doch wir sollen bloss auf der Hut sein. Afrika sei gefährlich. Seine Tankstelle sei schon öfters Opfer von Überfällen geworden.

Clarens – Oase der Ruhe und der «Junggebliebenen»

Nach rund 7.5h Fahrt erreichten wir unsere erste Übernachtungsstätte: Clarens. Wer jetzt an das reizende Quartier am Genfersee denkt, liegt gar nicht so verkehrt. Tatsächlich wurde das afrikanische Clarens nach seinem schweizerischen Pendant benannt nachdem der fünfte südafrikanische Staatspräsident Paul Kruger seine letzten Tage dort im Exil verbrachte.

Roadtrip Südafrika - Guten Morgen Clarens!

Guten Morgen Clarens!

Roadtrip Südafrika- Clarens, ein Ort vor unserer Zeit

Clarens – ein Ort vor unserer Zeit…

Der Ort, eingehüllt durch riesige Sandsteinberge, wurde zum Zuhause für viele Künstler und ist ein wahrliches Rentnerparadies. Nur eine einzige Strasse führt ins Dorf hinein und wieder hinaus. Das Dorfbild erinnert ein bisschen an die Kulisse des 80er Jahre Serienklassikers «Unsere kleine Farm». Nebst dem Knattern der rostigen Windmühlen blieb mir aber vor allem der Geschmack des zarten Steaks  des Restaurants Clementines in Erinnerung. Nach 6 Monaten eintönigem Chicken oder Fisch war ein saftiges Steak vom Rind eine willkommene Abwechslung. Da ich aber Essen dem Kochen bevorzuge, konnte ich mit der Frage, in welcher Garstufe ich mein Steak denn gerne hätte, leider nicht viel anfangen. Ich entschied mich dann pragmatisch für «well done». Klang rein phonetisch irgendwie gut.

Autofahren in Südafrika – ein Erlebnis für sich

Nach einer erholsamen Nacht in Clarens zog es uns an die Küste. Da wollten wir auch die bekannte Gartenroute anstreben. 940km gab uns das Navi an. Eine gute Gelegenheit, um ein wenig mehr über das Autofahren im Regenbogenstaat zu erzählen.

An das Fahren gewöhnt man sich rasch. Wenn auch falsch. Nämlich links.
Doch abgesehen von dieser kleinen Unstimmigkeit ist das Autofahren ziemlich easy und ist ein echtes Erlebnis. Aufgrund der langen Distanzen kann die nächste Tankstelle hingegen schon einmal 200km entfernt liegen. Es lohnt sich also, vorausschauend zu handeln und lieber einmal mehr voll zu tanken. Nebst der imposanten Szenerie, die einem während der Fahrt geboten wird, schreien die kilometerlangen, geraden und breiten Strassen förmlich nach einem Roadtrip.

Südafrika - Strassen in Südafrika sind...

Strassen in Südafrika sind…

Südafrika - ... der hammer!

… der Hammer!

Die sind nämlich in einem solch guten Zustand, dass selbst Europa sich ein Stück davon abschneiden könnte. Das Tacho zeigt da schnell einmal mehr an als die erlaubten 120km/h. Sind die Strassen nicht so oder so zweispurig, weicht der etwas «langsamere Verkehrsteilnehmer» wie von ganz alleine auf den Pannenstreifen aus, um den Kollegen überholen zu lassen. Das gehört hier quasi zum guten Ton und begünstigt ein flüssiges Fahren. Um es den lokalen Fahrern nachzumachen benutzt man nach dem Überholen bewusst den Warnblinker, um ein symbolisches «Danke» zu übermitteln. Wo sonst trifft man heutzutage auf solch ein freundliches und rücksichtsvolles Fahrverhalten?

Noch zu erwähnen gilt: Hie und da läuft etwa eine Ziegenherde oder sonstiges Vieh über die Strasse. Bei der Dauer dieses Aktes könnte man durchaus eine Kaffeepause einlegen. Ampelsysteme werden von den einheimischen Robots genannt und kommen vorwiegend in den grösseren Ortschaften und Städten vor. Dort dann aber alle 100 Meter was auf die Dauer ziemlich nervig wird. Dafür erscheint in der 80er Zone durchaus auch ein unvorgesehenes Stoppzeichen. Mein schlagartiges Abbremsen führte infolgedessen nicht selten dazu, dass Hisham fast als Poster an der Frontscheibe klebte.

Nächste Kurve, Nationalpark

Wir verliessen uns während des Roadtrips auf Vater Google. Der  führte uns auf dem Weg in den Süden durch eines der zahlreichen Naturreservats.

«Hisham! Ein Warzenschwein!» oder

«Moment, ich glaub ich sah gerade eine Affenherde. Umkehren!»

Ja, was konnte ich den dafür, dass mich meine Neugierde selbst als Kind schon dazu verleite, an jeder Pusteblume einen Stopp einzulegen? Die Strecke durch dieses Reservat war an diesem Tag – für mich- so spannend, inspirierend und kontrastreich, dass ich es schaffte, unsere Anreise auf ganze elf Stunden auszudehnen.

Zu unserem Pech waren dann auch alles Hostels (oder Backpackers, wie sind in Südafrika genannt werden) in der Hafenstadt Port Elizabeth schon völlig ausgebucht. Dies zwang uns dazu, noch eine Stunde anzuhängen und ins kleinere aber beschaulichere Jeffrey’s Bay zu fahren. Dies auf der stockdunklen Autobahn. Soviel zur goldenen Regel Nummer 4…

Völlig erschöpft von der langen Fahrt und der noch anstrengender Suche nach einem Backpackers mit freien Betten checkten wir kurz vor Mitternacht im Hardrock Hostel ein.

Südafrika- Jeffrey's Bay

Jeffrey’s Bay – Another surfer’s paradies

Geselligen Zuwachs durch Ben & Franz

Das Tolle an Hostels ist, dass man immer auch auf Gleichgesinnte trifft. Oftmals ist das erste Zusammentreffen in einem Hostel der Anfang einer gemeinsamen Reise. Mit typischen Fragen wie «woher kommst du?» «Kann ich deinen Stromadapter ausleihen?» oder  «wie lautet denn das Wifi Passwort» ergibt sich auch der erste Smalltalk meist wie von alleine.

Ähnlich lernten wir auch Ben und Franz kennen. Zwei Vollblutschweizer aus Luzern. Sie seien ebenfalls am «Backpacken. Nun, beim Anblick ihrer beiden Kleiderschrankgrossen Koffern konnte ich mir ein Schmunzeln dann doch nicht verkneifen. Daneben wirkte mein blauer Rucksack – welcher mit seiner Grösse und seinem Gewicht jedem Frauen-Handtäschchen Konkurrenz machte – tatsächlich etwas authentischer. Auch wenn ich mich und Hisham dieses Mal nicht wirklich als Backpacker bezeichnen konnte. Schliesslich trugen wir unseren Rucksack höchstens vom Kofferraum ins nächste Hostelzimmer.

Wie dem auch sei. Das mit Ben und Franz war ungefähr so etwas, was man bei Tinder einen perfekten Match nennen würde. Zwei unternehmungslustige Expats aus Dubai treffen auf zwei energiegeladene Nachteulen.

Safari Jones

Und genau mit diesen beiden kurligen Kerlchen begaben wir uns auf Safari. Auch wenn ein bisschen verkatert von der Kneipentour am Vorabend.

Die ganze Szenerie wäre noch etwas glaubhafter gewesen, hätten wir uns wortwörtlich in der freien Wildnis Afrikas befunden.  Genau genommen waren wir nämlich in einem Gamepark. Ein Gamepark bietet Wildtieren ein geschütztes Territorium zum Leben. Von Privatpersonen gehegt und gepflegt. Quasi die Safari – Luxusvariante mit garantierter Wildtiersicht.

Von Giraffe über Nashorn bis hin zur gefährlichen Raubkatze gab es hier alles in freier Wildbahn. Eine perfekte Gelegenheit, um das Wildtier aus nächster Nähe zu betrachten. Franz, der im normalen Leben als Schlipsträger und hinter Glasscheiben einer grossen Schweizer Bank anzutreffen ist, übernahm an diesem Tag das Steuer unseres VW – Offroaders.

Südafrika - Safari auf eigene Faust

Safari auf eigene Faust

Als besonderes Highlight galten im Gamepark die Geoparden. Lediglich die schmale Autotür trennte uns vor den gefürchteten Raubkatzen.

Für einen kurzen Moment hielten wir alle die Luft an, als wir uns unmittelbar neben der Raubkatzen befanden. Doch keine Regung derenseits.

Zugegeben, neben diesen faulen Katern sieht sogar mein Plüschtiger bei Nacht furcheinflössender aus. Immerhin war einmal mehr ein Foto im Kasten, welches wir irgendwann stolz unseren Freunden und Bekannten auf Instagram und Co. präsentieren würden.

Der Tag war auf jeden Fall ein weiteres tolles Erlebnis auf der Reise ans Kap. Und wie so oft sind es nicht die Orte selbst, sondern die Menschen, die Emotionen auslösen und einem in Erinnerung bleiben. Die Jungs zogen weiter nach Durban. Hisham und ich folgten unserer Route nach Kapstadt.

Hätte ich da schon gewusst, dass ich mit diesen drei Jungs schon bald einen ganz anderen Höhenflug erleben würde.

(Fortsetzung folgt…)

 

Südafrika- #Inspiriere mich

Gut gegessen
Restaurant & Bar Clementines, Clarens.
Das wohl beste Steak Südafrikas! Well done!

Geschlafen
In Südafrika gibt es zahlreiche Hostels (genannt Backpackers) und Guesthouses zu erschwinglichen Preisen pro Nacht.
Aber Achtung; frühzeitiges buchen lohnt sich. Gerade zur Hochsaison können die Dorms schon einmal ausgebucht sein.

Getrunken
Wein! Südafrika hält viele gute Tropfen bereit. Wer möchte kann gleich eine ganze Weintour in Südafrika buchen 😉

Game Park Safari
Einfach im Backpackers oder bei Lokals nachfragen. Es gibt zahlreiche Gameparks, jedoch von unterschiedlicher Grösse.

Gemietet
Autofahren in Südafrika ist vergleichsweise zu anderen Ländern sehr preiswert. Und macht total viel Spass.
Das Auto haben wir online bei Hertz gebucht und sind dann direkt vom Flughafen losgefahren. Preis: ca. 260.- Fr. (Auto inkl. Versicherung für 9 Tage). Für Benzin bezahlt man ca. 1.50Fr./pro Liter.

Geheimtipp

Auf der Suche nach dem ominösen Wasserfall auf einer Zip Line runtersausen. Fun pur!


Reisezeit: Februar 2016 | ReiseartRoadtrip | Reisedauer: 9 Tage
Reiseroute: Flughafen Johannesburg – Clarens –  Jeffrey’s Bay – Kapstadt & Umgebung

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1 Comment

  • Reply Sonja 5. Juni 2016 at 8:20

    Hallo Jenny, ein wirklich schöner Bericht über Südafrika! Das Land steht auch ganz weit oben auf meiner „Go To“-Liste, vor allem wegen der Natur, dem Meer und den Tieren! Bin schon gespannt auf die Fortsetzung deines Berichtes…

    Liebe Grüsse, Sonja
    http://www.littlewhitepages.wordpress.com

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