Europa Frankreich

Savoir-vivre in Nizza

20. November 2015

Bienvenue à Nice! Unser Tourguide meinte, dass das Wort «Turbulenzen» ursprünglich von der kleinen französischen Gemeinde La Turbie stamme. Es sei dort immer so bewölkt. Nun, wie weit diese Aussage stimmt, liesse sich wohl mit einem Klick auf Wikipedia überprüfen . Turbulent war unser Layover an der Azurblauenküste jedoch allemal.

 

Wie schmeckt eigentlich Kaktus?

«Hier könnt ihr jetzt erst einmal aussteigen und ein wenig durch die Gassen schlendern. Wir treffen uns dann in 20 Minuten am Hafen», so die letzten Worte von Ben, bevor er uns nach nur 10 Minuten Fahrtzeit vom Hotel wieder zum Aussteigen bat und mit seinem schwarzen Audi davon fuhr. Schon während des Fluges sprach sich unter der Crew herum, dass in Nizza ein ehemaliges Mitglied unserer Airline Touren anbietet. Da wir sowieso gegen Mittag in Nizza landeten, sprach somit nichts gegen eine kleine Spritztour.

Ein bisschen ratlos und verlassen von unserem Tourguide standen wir nun also zu vier auf dem Place Rossetti. Gedanken wie «Wo soll’s nur zuerst hingehen?» oder «20 Minuten – ob da das Kaufen von Souvenirs wohl mit einkalkuliert ist?» kreisten durch unsere Köpfe. Der Place Rossetti ist das barocke Schmuckstück Nizzas. Einheimische sagen sogar, dass er das Herzstück der Stadt sei.

Direkt vor unseren Augen erstreckte sich die riesige Kathedrale Sainte-Réparate, welche im typisch barocken Stil erbaut wurde. Unsere Aufmerksamkeit wich aber sofort von diesem kirchlichen Bauwerk, als Leviane den Glacier Fenocchio entdeckte. Seit 1966 lässt das Familienunternehmen die Herzen aller Eisliebhaber mit einer Auswahl aus über 59 Sorten höher schlagen. Darunter finden sich auch ein paar ganz exotische Aromen wie Kaktus, Tomaten-Basilikum oder Jasmin. Dass ich mich an diesem Tag überhaupt vor dieser Glasvitrine in Nizza vorfinden durfte, grenzt förmlich an ein kleines Wunder. Es gibt nämlich Flugbegleiter, die versuchen monatelang, den Flug nach Nizza zu kriegen. Es wird darum beworben,  untereinander abgetauscht und gefeilscht, was das Zeug hält. Und dann gibt es da die Sorte frisch gebackener Crew, die für ihren ersten offiziellen Flug auf Home-Standbye gesetzt und in letzter Minute ausgerufen werden. Home-Standbye ist der sogenannte Pikett- oder Bereitschaftdienst. Und genau dieser wurde mir nach meinem zweiten Supyflight nach Amman zugeteilt. Ziemlich spannend, denn schliesslich wusste ich, dass im Falle eines Einsatzes dies zugleich mein erster Flug als vollwertiges Crew Mitglied mit allem Drum und Dran sein würde. Ich beschreibe an dieser Stelle nicht weiter, wie ich zuhause auf dem Sofa wie auf Nadeln sass und kontinuierlich auf mein Smartphone starrte…

 

Postkartenmotive so weit das Auge reicht

Mit rund 30 Minuten Verspätung und einem schlechten Gewissen trafen wir schliesslich beim Treffpunkt am Hafen ein. Ben schien der zeitliche Verzug nicht weiter zu stören und meinte bloss lässig «Lasst mich raten; bei Fenocchio die Zeit vergessen?» Nach 7 Jahren als Airline-Tourguide scheint er seine Klientel gut zu kennen. Mit der privaten Tourlimo ging es dann weiter quer durch den Hafen und hoch entlang der schmalen Panoramastrasse des Hügels Mont Boron. Wir passierten die kleine Gemeinde La Turbie (von der übrigens behauptet wird, dass dort der Wein günstiger ist als ein Glas Evian) und machten danach einen kurzen Halt an einem der zahlreichen Aussichtspunkte. Der atemberaubende Sonnenuntergang über Nizza oder der Blick auf die Badebucht Cap d’Ail, welche mitunter eine der teuersten Wohngegenden in Frankreich ist, liess uns die geschwollenen Füsse oder die aufkommende Müdigkeit kurzerhand vergessen. Bereits nach weiteren 15 Minuten Autofahrt erreichten wir den Tête de Chien. Hier erhielten wir den wohl besten Ausblick auf den kleinsten Staat der Erde – dem Fürstentum Monaco. Unser nächstes anvisiertes Ziel stand sogleich fest.

 

Glanz & Gloria in Monaco

Ursprünglich galt Monaco als antiker Handelsplatz der Phönizier und später der Griechen. Heute ist das Fürstentum vor allem bei den Reichen und Schönen beliebt. Mit einer Gesamtfläche von gerade einmal  2km² könnte sich Monaco locker 4x in der Dubai Mall einquartieren! Fakt ist; als «Bewohner» Dubais können Einen architektonische Meisterwerke oder die Motorengeräusche von Lamborghinis und Aston Martins nicht mehr gross imponieren. Doch im Gegensatz zu Dubai wirkte in Monaco jeglicher Glamour und Luxus überaus authentisch. Beim Betreten des Vorhofes des Casinos Monte Carlos fühlt man sich in eine andere und für Otto-Normalverbraucher eher unerreichbare Welt versetzt. Die Damen präsentierten die neuste Garderobe von Gucci und Prada während die Herren der Schöpfung genüsslich eine Cohiba rauchten. Einzig der vorbeifahrende Roller von Speedy’s Pizza passte an diesem Abend irgendwie nicht ganz ins Bild.

 

Villefranche-sur-Mer – die versteckte Bucht

Ganz nostalgisch wurde ich, als wir zum Abendessen das romantische Fischerdörfchen Villefranche-sur-Mer erreichten. Dieser Ort unterscheidet sich komplett von seinen Nachbarn. Er ist klein, ruhig und scheint sich kaum entwickelt zu haben in den letzten Jahren. Bereits 2011 erlebte ich hier gemeinsam mit einer Freundin mein erstes Mal als Couchsurfer. Damals wohnten wir 10 Tage bei Angélique, einer Wahlfranzösin aus Norwegen uns selbst-ernannte Lebenszigeunerin. Mit Rucksack und Stadtkarte erkundeten wir die umliegenden Orte.

Erschöpft vom Flug und dem vielen Eindrücken des Tages liessen wir den Rest des Abends entspannt mit einem Glas Chardonnay und einer köstlichen Dorade ausklingen. Ach, la vie est belle.

 

Zauberhafte Côte d’Azur

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2 Comments

  • Reply Larissa 21. November 2015 at 11:08

    Hallo Jenny
    Wow das dönt ja super :)!
    Wunderschöni Impressione wot hesch chöne mache!
    Da bruchi ja gar ke Reisekatalog me da chani nur läse und ich weis grad woni döre wot ;)!
    Grüessli und bis gli <3!
    Dini chlini Schwöster Larissa

    • Reply jennyr 22. November 2015 at 9:03

      Dankeschön <3

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