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The Art of Charme – Flirten will gelernt sein

1. März 2016
Birmingham - Flirten will gelernt sein

Gerade die absolute Traumfrau gesichtet aber zu schüchtern, um sie anzusprechen? Um solche Situationen in Zukunft zu verhindern, lädt Simon Kennedy zum Flirtseminar ein. Dort lernt man(n) wie man simpel und erfolgreich seine Ansprechängste überwindet und zum Verführungskünstler mutiert. Dabei zeigt er seinen Schützlingen auch gerne, wie das Ganze in der Realität aussehen könnte. So geschehen am Samstag in der Fussgängerzone Birmingham’s. Und ich in der Rolle als ahnungslose Zielscheibe.

Es ist Wochenende und in den Strassen tummeln sich die Bürger Birminghams. Beim Schlendern durch die belebte New Street nahe des gleichnamigen Hauptbahnhofes fällt mir vor allem die ethnische Vielfalt der Menschen auf. Multikulti trifft auf hier britische Klassik.

 

Laut und schrill im Einklang mit Feudalismus

Während ein älteres Ehepaar sich gerade über den zu heissen Pfefferminztee beschwert, gestikuliert ein Zeitungsverkäufer auf der anderen Strassenseite lauthals in einem Mix aus Hindi und Englisch. Im selben Moment läuft eine Gruppe verkleidet als Batman, Superwomen und weiteren skurrilen Superheldenkostüme an mir vorbei. Beim Anblick der knappen und zerrissenen Shorts der zweier Mädchen, die sich an einem Selfie versuchen, schnürre ich mir meine Jacke noch ein wenig enger zu.
Bei 3 Grad Celsius.

Birmingham - The Art of Charmen - Flirten will gelernt sein

 

Und plötzlich Prinzessin Hauptrolle!

Bei Victoria Square lege ich einen kurzen Stopp ein und greife zur Kamera. «Batterie fast leer». Mist. Reicht wohl nur für ein paar Schnappschüsse.

Hastig versuche ich mit dem verbleibenden Akku wenigstens ein bisschen von diesem Nachmittag in Birmingham festzuhalten, als sich plötzlich ein junger Herr mir ins Bild schleicht. Ich bin gezwungen meine Kopfhörer zu entfernen, um zu verstehen, was der da vor mir murmelt:

«Heja, ich hab gerade gesehen, dass du ein Foto geschossen hast und die Art und Weise, wie du die Kamera geführt hast ist echt beeindruckend. Ich nehme schwer an, dass du entweder Fotografin oder einfach ein äusserst kreativer Mensch bist.»

Nun, die Ausbildung zur Flugbegleiterin hat mich ja mit einem fundamentalem Grundwissen in Bezug auf mögliche, unangenehm eintreffende Gesprächssituationen ausgestattet. «Umgang mit kuriosen Anmachsprüchen» gehörte jedoch nicht dazu. Meine Antwort fällt demzufolge nüchtern aus. «Eigentlich bin ich einfach Tourist.»

Doch der quirlige Kerl, der mit seinem grauen Sakko, dem Hut und der Ray-Ban Brille ein bisschen an einen Charlie Chaplin der Neuzeit erinnert, lässt nicht locker. Wir kommen’s in Gespräch.

Wo ich denn herkomme. Was mich denn hier her bringt. Ob ich denn Lust auf einen Kaffee hätte.

Frage über Frage. Und obwohl er eigentlich äusserlich nicht mein Typ ist, überzeugt er durch sein lockeres Naturell. Charmant und witzig. Und so gekonnt gut, das ich eigentlich von selbst hätte drauf kommen sollen.

 

Daygame, so nennt sich flirten heutzutage

Nach rund 10 Minuten Smalltalk lässt Simon, so sein Name (Schade, Charlie hätte gepasst…),  die Katze aus dem Sack. Oder besser gesagt die zwei versteckten Kameras und Männer hinter der Linse, die das ganze Prozedere nämlich filmisch festgehalten haben. Als Anschauungsmaterial für ihre Schüler.

Simon Kennedy und seine Jungs sind nämlich professionelle Flirt- und Personalcoachs und verdienen ihre Brötchen damit, den Herren der Schöpfung das Flirten beizubringen. Diese wiederum bezahlen locker umgerechnet 900 Franken pro Seminar, um durch das neu erworbene Wissen ihre Chancen beim anderen Geschlecht zu steigern. So ein Seminar nennt sich dann «Approaching Women» oder «Commandeering Territory – Erhalte mehr Aufmerksamkeit von Frauen mit weniger Aufwand.»

Spezialisiert haben sie sich jedoch auf das Ansprechen und Kennenlernen von Frauen in gewöhnlichen Alltagssituationen. Also nicht im Nachtclub. Nicht in der Bar. Und auch nicht während der Arbeit. Hiefür liefert die Szene sogar schon einen passenden Fachbegriff; Daygaming.

«Vielen Männern fällt es schwer, Frauen direkt anzusprechen und fühlen sich dabei unsicher. Wir helfen ihnen, diese Unsicherheit zu überwinden und zeigen Möglichkeiten auf, wie man auf ganz einfache Art und Weise ins Gespräch kommt – ohne dass sich die Frau dumm angebaggert fühlt», so Simon.

Zugegeben, bei mir hat’s funktioniert.

Natürlich überlassen mir die Jungs die Entscheidung, ob das gedrehte Filmmaterial auch für professionelle Zwecke nutzen dürfen. Ich willige ein. Karitative Projekte soll man schliesslich unterstützen 😉

Nachdem auch noch ein kurzes Interview mit mir und Simon im Kasten ist, wir meine schauspielerische Leistung mit einem Kaffee im Starbucks belohnt. Für Simon und sein Team geht es dann auch schon weiter. Die Arbeit rufe.

Also an alle Herren da draussen. Jetzt Seminar buchen und Flirtprofi werden! Alternativ tut’s auch einfach ein nett gemeintes «Hallo» bei der nächsten Gelegenheit. Ist bestimmt genauso effektiv und dazu noch budgetschonend.

 

Für Interessierte: Das ist ein Daygame

Birmingham – #Inspirieremich

Gut gelandet

Der Birmingham Airport wird von nationalen wie von internationalen Airlines mehrmals täglich angeflogen. Ganz in der Nähe des Flughafens liegt auch der Bahnhof Birmingham International Railway Station, mit häufigen Verbindungen ins Stadtzentrum (Birmingham New Street Station ca. 10 Min) oder auch nach London und Manchester.

Gegessen

Fast Food – it makes you fall asleep and wake up fat. Die Gebrüder Leon fragten sich daher; warum kann Fast Food nicht Good Food sein. Die Restaurantkette LEON bietet daher gesunde und leckere Alternativen für den kleinen und den grossen Hunger. Auch wenn du wenig Zeit hast.

Geshoppt

Birmingham lässt wie so manche Stadt in England das Shoppingherz höher schlagen. Die Newstreet lockt mit internationalen sowie typisch englischen Ladenketten. Wer Primark mag, wir auch hier fündig.

Getroffen

Simon Kennedy und seine Kollegen rund um den Flirtmaestro Gary Gunn erklären dir auf Socialattraction.co.uk wie Flirten richtig geht.

Geheimtipp

Setz dich auf eine freie Bank auf der Aussichtsplattform des Bullring Shoppingscenters. Von da aus hast du einen fantastischen Blick auf die St. Martins Church. Beobachte die Menschen um dich herum und lausche den verschiedenen Sprachen und Geräusche.

 

 

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