Europa Malta

Während dem Feiern auf dem Bartresen kurz ein Powernap halten #lebenamlimit

17. August 2017
Malta - Während dem Feiern auf dem Bartresen kurz ein Powernap halten #lebenamlimit

Ich erinnere mich an meinen ersten Urlaub ohne Eltern; endlich schien mein, bis dahin eher nüchtern verlaufenen,  Teenieleben ein wenig Aufschwung zu kriegen. Mit der besten Freundin im Schlepptau ging’s für eine Woche nach Ibiza. Es war einer dieser Urlaube, die einem noch lange im Gedächtnis bleiben würden. Sangria-Schlürfen am Strand und nächtelanges Feiern in den angesagtesten Clubs der Insel gehörten genauso dazu wie unverbindliche Sommerflirts, Sonnenbrand und ein leerer Geldbeutel. Das Leben schien perfekt. Zumindest bis der Flieger der sonnigen Baleareninsel den Rücken kehrte und mich ungefragt zurück in den tristen Alltag beförderte. Das war 2011. Sechs Jahre später und jenseits der zwanzig nuckel ich an einem Glas Rotwein und frage mich; War es das jetzt?

Die Gedanken kommen nicht von ungefähr. War ich doch kürzlich mit meiner Arbeitskollegin und Busenfreundin Suzi für ein verlängertes Wochenende in Malta.

 

Moment mal,wo liegt Malta?

«Oh schön, Spanien!», so die Reaktion meiner Mutter, als ich ihr von meinem Kurtztrip-Vorhaben erzählte. Malta, ein Ort so klein auf der Weltkarte, dass es mich nicht verwundert, dass der Eine oder Andere geografisch ins Straucheln kommt. In der Tat hat Malta aber so wenig mit Spanien zu tun wie die Schweiz mit Schweden.

Der kleine Inselstaat im Mittelmeer hat eine lange Geschichte hinter sich. (Auf welche ich jetzt nicht näher eingehen werde. Für die Historiker unter euch verweise ich derweil auf folgenden Wikipedia Eintrag. ) Die Inselgruppe liegt etwa 90km südlich Siziliens und nicht unweit entfernt der tunesischen Grenze.

Malta erfreut sich seit einigen Jahren einer grossen Popularität vor allem beim jungen Publikum. Gerade in den Sommermonaten strömt dieses für Sprachreisen auf die Hauptinsel Malta. Wer mich fragt, so ist das Erlernen der Sprache jedoch mehr Vorwand als Vorhaben.

 

Wenn sich der Fakt, dass man älter wird, bemerkbar macht

Am Tag unserer Anreise lernten wir Marie und Elené kennen. Zwei Sprachschülerinnen aus der Nähe von Marseille und bestimmt kaum älter als Hochschulreife. Für ganze vier Monate würden sie auf der Insel weilen. Beide waren braungebrannt und trugen nicht viel mehr als ein neonfarbenes Bikinioberteil und ein paar zerrissene Shorts. Wie wir später feststellten, scheint das für Malta nicht weiter ungewöhnlich zu sein. Nur im Badeanzug bekleidet und einem paar Flip Flops durch die Strassen Vallettas zu laufen und erst recht Bus zu fahren ist hier gesellschaftlich akzeptiert. Gewöhnt an die arabischen Gepflogenheiten in Dubai mussten uns Suzi und ich aber erst an so viel Nacktheit gewöhnen.

Die beiden Französinnen verdienten sich ein kleines Taschengeld als Promoterinnen für einen Nachtclub. Für dreissig Euro offerierten sie uns Tickets für die Samstagabend Party im Gianpula inklusive freien Eintritts zur Beachparty am darauffolgenden Tag. Getränke seien für alle Mädels gratis. Suzi und ich lehnten ab, tauschten aber der Freundlichkeit halber unsere Nummern aus.

Wenn nicht jetzt, dann vielleicht nie?

Malta ist bekannt für sein Nachtleben. Beschwingt von der mediterranen Leichtigkeit und den angenehmen Temperaturen stürzten wir uns an unserem zweiten Abend in das belebte Paceville – dem Stadtviertel mit den meisten Bars und Clubs.

Bereits um 21 Uhr war das Havana bumsvoll. Was mich weniger störte als der Fakt, dass der DJ Luis Fonsi’s Despacito in Dauerschleife spielte. Der Einlass war gratis und Getränke kriegte man hier für weniger als zwei Euro. Wir mischen uns unter die Partywütigen und tanzten so ausgelassen wie schon lange nicht mehr. Auf einmal spürte ich, wie sich zwei Hände von hinten an meine Hüfte klammerte und eine männliche Stimmte mir ins Ohrt johlte. «Hey, willst du rummachen?» Es gilt an dieser Stelle zu erwähnen, dass das Testosteron an diesem Abend eindeutig in der Überzahl lag. Im Gegensatz zum Alterslevel, dass sich deutlich im Bereich unter der Zwanzig bewegte.

Verdutzt drehte ich mich um und stellte fest, wie Suzi sich den Burschen bereits zur Seite gezogen hatte. Ich befürchtete, dass sie ihm gleich eine klatschen würde, liess dann aber wieder von ihm ab. Der Junge beugte sich zu mir.  «Wenn nicht jetzt, dann vielleicht später?» So viel Draufgängertum seinerseits musste wohl sein.

Das ganze Rumgehopse auf der Tanzfläche machte ganz schön müde. Gezielt steuerte ich auf einen Barhocker zu, welcher generell zu meinem meist geschätzten Inventar einer jeder Nachinstitution gehört. Ich bin der Meinung, dass es sich auch sitzend zur Musik hin und her wippen lässt und man dabei trotzdem gut ausschauen kann. Ausserdem ist es gelenkschonender.

Gerne hätte ich zwischenzeitlich wie ein Altersgenosse rechts von mir meinen Kopf kurz auf den Bartresen abgelegt. Quasi für ein Power Nap «on the scene»,. Bekanntlich wirkt sich das aber eher kontraproduktiv auf den Energielevel aus und verstösst gegen den Partykodex.

So zogen Suzi und ich weiter.

Von Bar zu Bar. Von Caipirinha zu Whisky. Und vice versa.

Ich erinnere mich; der Alkohol floss an diesem Abend reichlich. So reichlich, dass ich später auf dem Damenklo Suzi’s Haare festhielt und ich mich noch Stunden später über die Gurke im Cheeseburger aufregte. Offensichtlich scheint sich bezüglich den Auswirkungen von Alkohol auch in den letzen Jahren nichts geändert zu haben.

 

Wir sind Generation lebenamlimit 2.0

Ja, Malta liess uns für einmal wieder fühlen wie Siebzehn. Oder wie damals, auf Ibiza…

Nun, liebe Leser. Wenn ihr euch jetzt wundert, wie sich der «Morgen danach» einer Siebzehnjährigen gefangen im Körper einer Zwanzig-Plus anfühlt; hier kommt die Antwort. Wie ein Häufchen Elend.

Es ist längst kein Geheimnis mehr: Suzi und ich wurden älter. Und mit dem Älter werden haben sich auch gewisse Dinge verändert. Dazu nur soviel: Alka-Seltzer und ein Liter Wasser reichen längst nicht mehr aus, um ein Hangover zu bekämpfen. Rückblickend bin ich froh, dass unser Hotelzimmer über keinen Meerblick verfügte und Malta kein Ort für Badeurlaub ist. Wäre sonst nur schade um’s Geld gewesen.

Wer sich trotzdem auf einen Badeurlaub auf Malta freut, den wird den Ausflug zur blauen Lagune der Insel Comino enttäuschen. Was aus dem Flugzeug betrachtet wie ein kleines Paradies scheint, ist in Wirklichkeit nicht viel mehr als ein Brocken Stein umgeben von türkisfarbenen Wasser.

Immerhin lockt es an einem sonnigen Sonntag auch die letzten Bierleichen aus den Laken. Und auch das Business scheint zu laufen. Für drei Euro kriegt man ein Strandtuch in Wassernähe und für fünf Euro das Upgrade: Einen Liegestuhl direkt am Einstieg der Lagune!

Unseren letzten Abend liessen Suzi und ich ganz bescheiden im Renterviertel Marsaxlokk mit Fisch und Rosé ausklingen. Ach Malta. Lustig war’s ja. Noch einmal? Vermutlich nein.

Just in diesem Moment kommt eine Whats App Nachricht von Marie rein: «Hi Girls, Boatpary am Montag mit unlimited Drinks, Feuershow plus 20 Minuten Wasserski. Seit ihr dabei?»

 

Malta – #behindthetrip


Reisezeit: Juli 2017 | Reiseart: WochenendAUSFLUG 😉 | Reisedauer: 3 Tage
Reiseroute: Malta & Insel Comino

Unterkünfte

Allegro Hotel, St. Julians
Klein und fein inkl. Frühstück. Nur 3 Minuten von der Bushaltestelle St. Julians und 5 Gehminuten von Paceville entfernt. Supermärkte und Restaurants befinden sich in unmittelbarer Nähe. Als Spontanbuchung in der Hauptsaison ein absolutes Schnäppchen. Doppelzimmer mit Bad & Balkon inkl. Frühstück : 300 Euro für 3 Nächte

Herumreisen

Malta ist eine kleine Insel. Wir haben uns zuerst überlegt ein Auto zu mieten. Aufgrund der wenigen Parkmöglichkeiten und dem Fakt, dass die Insel über ein sehr kompaktes Busnetz verfügt, haben wir uns dann dagegen entschieden. Das Reisen mit dem Bus dauert zwar etwas länger und bei aufkommenden Verkehr kann es zu einer echten Geduldsprobe werden. Dafür ist es umso preiswerter! Aber Achtung: Macht nicht denselben Fehler wie wir und kauft die Tallinja Explore Card für 39 Euro. Die angepriesene Bootsfahrt und Sightseeingtour fand nie statt und Busfahren kommt um einiges günstiger, wenn man das Ticket pro Fahrt kauft. Die Explore Card ist im wahrsten Sinne des Wortes eine reine Abzocke 🙁

Sprache

Offizielle Amtsprachen sind Englisch und Maltesisch. Maltesisch ist aus dem arabischen Dialekt entstanden und ist die einzige semitische Sprache mit lateinischen Buchstaben. Freu dich auf unaussprechbare Ortsnamen wie Birzebugga, Marsaxlokk oder Cirkewwa. Vielerorts kannst du auch mit Italienisch ganz gut kommunizieren.

Budget & Preise

Gerade in der Hauptsaison sind die Preise für Unterkünfte etwas höher. Ansonsten kriegt man in Restaurants in Valletta und St. Julians ein leckeres Abendessen  für bereits 15-20 Euro. Der Eintritt in Clubs und Bars ist kostenlos. Alkoholische Getränke kriegt man ab 2 Euro. Ein Ausflug mit dem Boot auf die Insel Comino kostet 10 Euro hin und zurück. Die Fahrt mit dem lokalen Bus kostet pro Trip um die 2.50 Euro.

Insidertipp

Suchst du nach ein wenig Ruhe abseits des Rummels? In Marsaxlokk gibt’s das beste Seafood direkt am Hafen.  Es riecht auch dementsprechend 😉 Die 40 minütige Fahrt in das verschlafene Fischerörtchen lohnt sich definitiv.

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