Afrika Südafrika

Wanderfreude

2. Juni 2017
Motivation, Wanderfreude ademerci.com

Neulich hat mich ein Freund gefragt, ob ich ihn nächstes Jahr bei der Tour auf den Kilimandscharo begleiten möchte. Während er sich schon hochgestimmt im nächstgelegenen Fitnessstudio eingeschrieben hat, brauche ich noch ein wenig Bedenkzeit. Nicht etwa, dass ich mir das partout nicht zutrauen würde. Ich meine, so eine Wandertour ist doch vor allem eine Frage der Motivation. 

Als Teen begleitete ich mich meine naturbegeisternden Eltern so gut wie nie zu einem Ausflug auf den Pilatus. Das war durchaus eine weise Entscheidung zu Gunsten meiner Eltern und der Gesellschaft. Wer will schliesslich schon ein maulendens Mitbringsel im Rücken, wenn man gerade das Panorama von 73 Alpengipfel bestaunt?  Heute sehen die Dinge anders aus. Wandern ist in. Ich und zahlreiche Mitzwanziger erkennen im Wandern eine sinnvolle Okkasion, dem Körper und Geist etwas Gutes zu tun und dabei die Natur zu erleben. Dass müsste derweil nicht nur die Krankenkassen freuen, sondern auch die  Skeptiker der heutigen Jugendentwicklung.

Neu entdecktes Wanderfieber

Und wie so vieles im Leben fängt auch eine Wanderkarriere klein an.

Nichts kommt mir demnach gelegener, als ein Nachmittag in Kapstadt. Trotz Jetlag und geschwollen Füssen begebe ich mich bereits kurz nach Landung mit ein paar Leuten aus der Crew auf den Aufstieg zum Tafelberg. Seinesgleichen das Wahrzeichen der südafrikanischen Hauptstadt. Die rund 700 Höhenmeter liessen sich laut online Reviews in knapp zwei Stunden bewältigen. Also ziehen wir den sportlichen Aufstieg der flotten Fahrt mit der Gondelbahn vor.

Wir sind eine Truppe bunt zusammengewürfelter Leute verschiedenster Nationalitäten. Manche mit mehr oder weniger Bergerfahrung. Und obwohl wir auf den ersten Blick grundverschieden wirken, haben wir eines gemeinsam; Wandern tun wir seit unserer Konvertierung zum Flugpersonal nur noch von der einen in die nächste Flugzeugkabine.

Dementsprechend haben wir so unsere Schwierigkeiten, in die Gänge zu kommen. Ausserdem brennt die brütend-heisse Mittagssonne auf den Schädel und der Wasservorrat ist knapp. Nur schleppend kommen wir auf dem schlangenförmigen Wanderweg voran, der einen steilen Hang hinauf führt. Hinter uns befindet sich die atemberaubende Kulisse der Innenstadt und der Lions Head.

Man fragt sich, ob alle so schnell sind, wie ihre Kleidung aussieht

Ich war bis zum heutigen Tag der festen Annahme, dass ich als Heid-Äquivalent quasi mit dem Wandergen geboren wurde. Nun stellt sich dies nur als eine weitere Lüge meines Lebens heraus. Meine Ausdauer ist so gut wie – Entschuldigung an dieser Stelle für die etwas primitive Wortwahl –  am «Arsch»! Und selbst dieser streikt bei jedem Schritt über die steinigen Felsen mit stechenden Schmerzen.

Auf halber Strecke überholt uns ein deutsches Ehepaar. Mit ihrem lightweight Backpack, den Vario Carbon Trekkingstöcken und der Windjacke wären sie mir fast nicht aufgefallen. Für den Preis deren Funktionskleidung leiste ich mir einen Gebrauchtwagen.  Ein Blick zu unserer Gruppe lässt indes erahnen; hier sind blutige Amateure am Werk. Wenigstens toppt mein Schuhwerk jenes meiner koreanischen Kollegin. Flipflops kommt dem Begriff dieser Art von fashionable Zehentrenner wohl noch am nächsten. Barfuss hätte es bestimmt auch getan. Bevor wir das Hotel verliessen, hatte ich meine Kollegin noch auf ihre Schuhwahl hingewiesen. «Mhh, Yun glaubst du, dass das so geht mit diesen Schuhen bis ganz nach oben…?» «Na klar! Nach so einem langen Flug freuen sich meine Füsse über Abwechslung! Ausserdem habe ich die grad neu aus Madrid.»

Nun, einer meiner Passagiere und erfahrener Alpinist meinte einmal, dass man sich als Wander-Anfänger gar nicht so viele Gedanken über Planung und Ausrüstung machen sollte. Vielmehr sollte man seine Outdoor Qualitäten in der näheren Umgebung testen. Sich langsam steigern. Sich stets motivieren und seine Ziele vor Augen halten.

Ich frage mich, was meine Motivation für den Kilimandscharo wäre. Die Tatsache, etwas erreichen zu können, dass viel Ausdauer und Fleiss erfordert? Der Minimalismus am Berg und der einfache Tagesablauf, welcher den Fokus auf das Wesentliche richtet? Oder einfach nur die netten Campabende mit stockendem Handyempfang abseits des Alltagsgeschehens?

Pflichtlektüre; alles eine Frage der Motivation

Kelly reisst mich aus meinen Gedanken. «Los Mädels, bewegt euch! Da vorne strippt einer!!» Mein Blick richtet sich auf die Gruppe junger Männer ein paar Meter vor uns. Tatsächlich entkleidet sich der Braunhaarige seines verschwitzten Shirts und hängt es sich lässig über die Schulter.

Für unsere Gruppe ist das offenbar genau der richtige Motivationsschub. Nach insgesamt 3.5h erreichen auch wir den Tafelbergplateau.

Ja, alles eine Frage der richtigen Motivation. Dem bin ich mir sicher. Der Sache mit dem Kilimandscharo jedoch weniger.
Deren Machbarkeit bleibt vorerst eine hypothetische Spekulation.

 

 

Kapstadt, Südafrika – #behindthetrip


Reisezeit: April 2017| Reiseart: Layover | Reisedauer:  1 Tag

Gewandert

Der Tafelberg gilt als das Wahrzeichen Südafrika’s und ist ein Muss für jeden Kapstadt-Besucher. Diverse Wanderwege führen auf die Spitze hinauf. Viele bevorzugen jedoch die etwas teurere aber bequemere Gondelbahn. Diese wurde übrigens in der Schweiz hergestellt und ist seit 1998 in Betrieb. Auf Kapstadt.de erhält man ausführliche Infos über die Hauptstadt selbst und deren Sehenswürdigkeiten.

Gewusst? 

Im Februar letzten Jahres bin ich zehn Tage durch Südafrika gereist und habe einige meiner Erlebnisse in meinen Artikel Südafrika – Reise ans Kap festgehalten. Darin erkläre ich auch, welche Vorkehrungen man beim Autofahren in Südafrika treffen solle und wo man gefürchtete Raubkatzen antrifft 😉

 

You Might Also Like

No Comments

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: