Fliegen Flight Attendant

Bald zu Fuss nach New York? – Willkommen im Assessment zur Flight Attendant

16. Juni 2015

«Eigentlich wollte ich bloss an eine Infoveranstaltung , fand mich dann aber in einem Assessment mit fünfzig weiteren Reisehungrigen wieder und naja, der Rest ist Geschichte.»

Das oder so ähnlich gehört seit April zum Standardrepetoire meines Wortschatzes. Was für den Einen oder Anderen nach einer vom-Tellerwäscher-zum- Millionär-Story klingen könnte, ist in Wahrheit die Geschichte zu meinem neuen Job einige Meter über dem Meeresspiegel. Auf 12’ooo Meter sozusagen.

Man nennt sie Flugbegleiter, Stewardessen, Flight Attendants und hinter dem Rücken gerne auch mal Saftschubse. Gemeint sind jene Personen, welche hoch in den Lüften für Ordnung und Sicherheit sorgen, dir deinen Tomatensaft bringen und dazu zum Nulltarif und auf Arbeitszeit um die Welt jetten.

«Schon als Kind war ich angetan vom Flughafen und es war mir unergründlich, wie so eine Blechdose mit zwei Flügeln in der Luft bleiben kann.»

Ich tendiere auf die alljährliche kurze Winterdepression, welche mich im Februar intuitiv dazu brachte, eine Infoveranstaltung einer bekannten internationalen Airline aus dem Nahen Osten zu besuchen. Ich betone an dieser Stelle gerne nochmals das Wort «Info». Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nämlich noch nicht, dass die Golf Airline nach Zürich kam, um gezielt neue Crew Mitglieder anzuwerben und diese am liebsten gleich mit dem nächsten Flieger mit nach Dubai zu nehmen.

Leben in einem flotten Apartment und mit dem fliegenden Büro quasi um die ganze Welt reisen- Die Kernaussage des Videos, welches zu Beginn der Veranstaltung vorgeführt wurde, beflügelte die Fantasien der Anwensenden. Doch Mira, Personal-Expertin und representative Person der Airline erwähnte anschliessend auch die Schattenseiten des Abenteuers. Ständig wechselnde Klima- und Zeitzonen, mühsame Passagiere und lange Arbeitszeiten sind drei Beispiele davon.

«For you is flying to New York like walking to New York.»

Mit diesem Satz resümierte Mira den Vortrag und in mir stieg mehr und mehr der Wille auf, es selbst erleben zu wollen. Plötzlich galt es ernst. Es hiess, fünzig von uns hätten die Chance, noch am selben Tag ein Assessment zu durchlaufen. Der Schock stand mir ins Gesicht geschrieben, doch lange Zeit zum Überlegen blieb nicht. Kurzerhand bekam jede Anwärterin und jeder Anwärter im Saal eine Bewerbnummer zugeteilt und erhielt seine 90 Sekunden Gesprächszeit, um sich bei Mira vorzustellen. Eine halbe Stunde später sah ich zu meinem Erstaunen meine Bewerbernummer mit Leuchtstift gelb markiert auf dem Aushang neben dem Türrahmen. Dem Ticket nach Dubai war ich unerwartet einen Schritt näher.

Für mich hätte sich der Tag schon nur wegen den vielseitigen Begegnungen gelohnt. Sophia aus Malaysia nahm bereits zum siebten Mal an einer solchen Veanstaltung teil und erzählte mir, dass bei einem solchen Event bei ihr Zuhause locker 300 Personen antraben. In der Schweiz, wo an diesem Samstagvormittag dreimal so wenig Anwesende waren, sehe sie ihre Chancen höher.

Sava aus Serbien schwänzte mit seinem Kumpel extra eine Vorlesung, um nach Zürich anzureisen und die aus Hong Kong stammende Ming gastierte gleich für eine ganze Woche in Zürich um gleich mehrere Airlines abzuklappern und dabei ihr Glück zu versuchen.

Was mich von all diesen Personen unterschied? Ich fühlte mich wie im falschen Film und total unvorbereitet, wohingegen alle anderen definitiv genau zu wissen wussten, worauf es ankommt.

«Wer denkt, dass ein Flugbegleiter vorallem zwei Dinge beherrschen muss, nämlich das Dauerlächeln und die Fähigkeit, ein Schinken von einem Käsesandwich zu unterscheiden, so sei dem weit gefehlt.»

Anforderungen wie Flexibiliät, teamorientiertes Handeln oder auch in hektischen Situationen die Ruhe zu bewahren werden dem Beruf schon eher gerecht. Und genau dies wollte Mira von uns sehen.

So sollten wir im Team unkonvetionelle Verwendungsmöglichkeiten für einen Lippenstift präsentieren, oder uns als Manager mit haarsträubenden Kunden am Eingang eines Wasserparkes herumschlagen. Alles gestellte Situationen und natürlich immer unter den beobachtenden Augen von Mira.

Das Casting ging Runde für Runde so weiter. Eine neue Runde hiess eine neue Aufgabenstellung. Für so manchen ging dies nicht immer positiv was zum direkten Ausscheiden führte.

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Die Krönung des Assesments war ein Englischtest und die letzten verbliebenen neun Personen wurden zu einem Vorstellungsgespräch am darauf folgenden Tag eingeladen. Viel Zeit um mich auf dieses vorbereiten zu können, blieb mir wahrlich nicht.Und spätestens bei der Frage, ob ich denn nun das College oder die Highschool besucht hätte- sie werde aus meinem Lebenslauf nicht ganz schlüssig -dachte ich, dass dies meine Endstation sein würde.

Die tatsächlichen Auswahlkriterien der Airline bleiben den Aspiranten verborgen. Auch weiss man nicht, wieviele Personen an einem solchen Event rekrutiert werden.

Dass Ende der Geschichte beschreibt sich kurz: Es vergingen weitere zwei Monate, bis eine auffällige ±97 auf meinem Handydisplay aufblitze. Die nette Dame am anderen Ende verkündige mir mit Freude die Zusage der Airline.

«Jennifer, welcome on board. You will become a part of our Cabin Crew.»

Hastig machte ich mir nebenbei Notizen, um keinesfalls keine wichtige Information zu verpassen. Eine kleine Randbemerkung an dieser Stelle: So manche Inder sprechen ja ein nahezu perfektes Englisch, da könnten selbst Oxford-Studenten einpacken. Unglücklicherweise eschwert ihre Aussprache aber das Verständnis.  So war mein Notizblatt am Ende des Telefonates nicht mehr als ein wirres Gekritze aus Zahlen und angefangen Wortteilen. Mit meinem kleinen Kunstwerk konnte ich so also nicht viel anfangen, was aber auch nicht weiter tragisch war. Den das Wichtigste stiess einem sowieso direkt ins Auge.; «28. August = Abflug Dubai!»

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1 Comment

  • Reply How is the fire going? - Sicher an Board  14. März 2016 at 14:17

    […] standen wir jeweils vor dem Flugzeugsimulator – ready, die täglich zu absolvierenden Assessments über das am Vortag gelernte Thema hinter uns zu bringen. Die erste Herausforderung galt es aber […]

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